PRT und Facetteninfiltration zielen auf verschiedene Stellen
Bei beiden Spritzen setzt die Ärztin ein Medikament genau dort, wo der Schmerz vermutet wird. Die Nadel kontrolliert sie dabei mit Röntgen, CT oder Ultraschall. Die PRT ist eine Spritze an eine bestimmte Nervenwurzel. Die Nadel geht durch das Loch, durch das der Nerv die Wirbelsäule verlässt. Die Facetteninfiltration gilt dagegen den kleinen Wirbelgelenken und den feinen Nervenästen, die sie versorgen.
Zu den Nerven im Wirbelkanal führen drei Wege. Die Nadel geht durch das Nervenaustrittsloch, zwischen zwei Wirbelbögen hindurch oder über das Kreuzbein am unteren Ende der Wirbelsäule. Nutzen und Risiken unterscheiden sich je nach Weg. Fragen Sie deshalb, welcher Weg bei Ihnen geplant ist.
| Spritze | Wo sie ansetzt | Wofür die Fachleute sie vorsehen |
|---|---|---|
| PRT | an einer bestimmten Nervenwurzel, durch das Nervenaustrittsloch | Sollte bei Schmerzen angeboten werden, die von einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule ins Bein ausstrahlen. An der Halswirbelsäule kann sie erwogen werden. |
| Spritze zwischen zwei Wirbelbögen | im Wirbelkanal, zwischen zwei Wirbelbögen hindurch | Kann bei ausstrahlenden Schmerzen erwogen werden. Bei Rückenschmerz ohne Ausstrahlung sollte sie nicht gegeben werden. |
| Spritze über das Kreuzbein | im unteren Wirbelkanal, über das Kreuzbein | Kann bei Schmerzen vom Kreuz ins Bein erwogen werden, mit Bildkontrolle. |
| Testblockade am Wirbelgelenk | an den feinen Nervenästen, die ein kleines Wirbelgelenk versorgen | Sollte bei Verdacht auf Schmerz aus den Wirbelgelenken erwogen werden. |
Bei welchen Rückenschmerzen eine PRT-Spritze infrage kommt
Die wichtigste Grenze verläuft zwischen Schmerz, der ins Bein ausstrahlt, und Schmerz, der im Rücken bleibt. Strahlt der Schmerz wegen eines Bandscheibenvorfalls an der Lendenwirbelsäule ins Bein, sollte eine PRT unter Röntgenkontrolle angeboten werden. Bleibt der Schmerz im Rücken und zeigt das MRT keine passende Ursache, raten die Fachleute von der Spritze zwischen die Wirbelbögen ab.
Bei lange bestehenden Schmerzen kommt die Spritze nicht zuerst. Vorher sollten Sie Schmerzmittel und Physiotherapie bekommen haben. Die Spritze sollte außerdem Teil eines Gesamtplans sein, der körperliche, seelische und soziale Seiten des Schmerzes berücksichtigt und an dem Ärzte mehrerer Fachrichtungen beteiligt sind.
Eine Spritze kann auch der Diagnose dienen. Mit einer sehr kleinen Menge Betäubungsmittel lässt sich prüfen, ob die vermutete Nervenwurzel den Schmerz auslöst. Das hilft vor allem, wenn das MRT an mehreren Stellen Veränderungen zeigt und die Frage ansteht, ob ein Bandscheibenvorfall operiert werden muss.
Wer die PRT-Spritze mit Kortison bezahlt
Als die Fachgesellschaften ihre Empfehlung im Juni 2025 veröffentlichten, war kein Kortison für Spritzen in den Wirbelkanal zugelassen. Die Ärztin setzt es also außerhalb der Zulassung ein. Das ist erlaubt. Sie muss Sie dann aber gründlich über Nutzen und Risiken aufklären, Ihre Zustimmung einholen und alles genau dokumentieren.
Das hat Folgen für die Bezahlung. Ein Medikament außerhalb der Zulassung zahlt die gesetzliche Kasse nur in Ausnahmefällen. Die Fachleute folgern daraus, dass die Spritze mit Kortison in der Regel nicht über die Kasse abgerechnet werden kann. Für Spritzen im CT gilt ohnehin eine Hürde. Die Kasse zahlt sie nur, wenn vorher Ärzte mehrerer Fachrichtungen Ihren Schmerz untersucht haben und eine Schmerzpraxis beteiligt ist.
Zwei andere Wege bleiben. Manche Kassen haben Sonderverträge für diese Spritzen, in die Sie sich einschreiben. Solche Verträge gelten oft nur in einer Region und nur für bestimmte Kassen. Der andere Weg ist eine Privatrechnung nach der ärztlichen Gebührenordnung, wie bei jeder IGeL beim Orthopäden. Klären Sie vor dem Termin schriftlich, welcher Weg bei Ihnen gilt.
Eine zweite Spritze nur nach spürbarer Wirkung
Spritzen nach festem Kalender sehen die Fachleute nicht vor. Eine zweite Spritze an derselben Stelle sollte nur folgen, wenn die erste gewirkt hat. Als Maßstab gilt, dass der Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 um mindestens 2 Punkte gesunken ist. Außerdem muss die Wirkung nicht gereicht haben oder der Schmerz zurückgekehrt sein. Zwischen zwei Spritzen sollten mindestens 1 bis 3 Wochen liegen.
Eine Serie ohne Prüfung der Wirkung lehnen die Fachleute ab, ebenso eine Wiederholung ohne vorherige Wirkung. Auch die Kortisonmenge im Jahr ist begrenzt, und die Grenze richtet sich nach Ihrem Körpergewicht. Fragen Sie deshalb, wie viel Kortison Sie schon bekommen haben.
Facetteninfiltration bei Schmerzen aus den Wirbelgelenken
Kommt der Schmerz aus den kleinen Wirbelgelenken, den Facettengelenken, ändert sich das Vorgehen. Gespräch und Untersuchung geben Hinweise, beweisen können sie den Schmerz aus diesen Gelenken aber nicht. Auch Röntgen, MRT und CT bringen dabei wenig. Sie zeigen zwar Abnutzung an den Gelenken, doch diese hängt nicht mit den Schmerzen zusammen.
Deshalb setzen Ärzte Testblockaden ein. Dabei betäuben sie unter Röntgenkontrolle die feinen Nervenäste, die das Gelenk versorgen, mit weniger als 0,5 Milliliter Betäubungsmittel und mit Kontrastmittel. Als positiv gilt ein Test, wenn der Schmerz um mindestens 50 Prozent nachlässt.
Sind die Schmerzen chronisch und haben zwei Testblockaden je mindestens 50 Prozent Linderung gebracht, kann eine Verödung der Nervenäste mit Hitze erwogen werden. Ärzte nennen das Radiofrequenztherapie. Hat sie mindestens 3 Monate lang mindestens 50 Prozent Linderung gebracht und kehrt derselbe Schmerz zurück, sollte sie ohne neuen Test erneut angeboten werden. Blieb eine fachgerechte Verödung ohne Erfolg, sollte dieselbe Stelle nicht noch einmal behandelt werden.
Welche Risiken die PRT-Spritze hat
Komplikationen nach Spritzen in den Wirbelkanal sind insgesamt sehr selten. In der Fachliteratur sind aber einzelne sehr schwere Verläufe beschrieben. Bei Spritzen zwischen die Wirbelbögen besteht ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für einen Bluterguss im Wirbelkanal. Deshalb soll die Ärztin vorher Ihre Bilder auf Besonderheiten prüfen, etwa den Verlauf der Wirbelarterie am Hals. Danach soll sie Sie untersuchen und überwachen, und innerhalb von 14 Tagen sollten Sie sich zurückmelden.
- Fragen Sie, welcher Weg geplant ist und mit welcher Bildkontrolle gespritzt wird.
- Sagen Sie, welche blutverdünnenden Medikamente Sie nehmen. Ob Sie sie absetzen, entscheidet die Ärztin im Einzelfall.
- Lassen Sie sich erklären, dass Kortison für diese Spritze außerhalb der Zulassung eingesetzt wird, und unterschreiben Sie erst danach.
- Klären Sie vor dem Termin schriftlich, ob die Kasse über einen Sondervertrag zahlt oder ob Sie eine Privatrechnung bekommen.
- Vereinbaren Sie, wie Sie die Wirkung zurückmelden, spätestens 14 Tage nach der Spritze.
Strahlt der Schmerz ins Bein oder in den Arm aus, und passt ein Befund im MRT dazu?
Haben Sie Schmerzmittel und Physiotherapie schon ohne ausreichende Besserung genutzt?
Eine PRT unter Röntgenkontrolle kommt infrage. Klären Sie vorher den Einsatz von Kortison und die Kosten.
Zuerst kommen Schmerzmittel und Physiotherapie. Bei lange bestehenden Schmerzen setzen die Fachleute sie vor die Spritze.
Bestehen die Schmerzen schon lange und deutet die Untersuchung auf die Wirbelgelenke?
Dann sind Testblockaden an den Nervenästen der Wirbelgelenke der nächste Schritt, keine Spritze in den Wirbelkanal.
Von Spritzen in den Wirbelkanal raten die Fachleute in diesem Fall ab. Bewegung, Schulung und bei anhaltendem Schmerz eine multimodale Schmerztherapie sind der Weg.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse eine PRT-Spritze?
Die Krankenkasse zahlt eine PRT-Spritze mit Kortison in der Regel nicht. Kortison ist für Spritzen in den Wirbelkanal nicht zugelassen, und solche Anwendungen zahlt die Kasse nur in Ausnahmefällen. Möglich sind ein Sondervertrag Ihrer Kasse, in den Sie sich einschreiben, oder eine Privatrechnung nach der ärztlichen Gebührenordnung.
Hilft eine Spritze bei Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung ins Bein?
Nein, bei Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung ins Bein raten die Fachgesellschaften von Spritzen in den Wirbelkanal ab. Auch die PRT an der Nervenwurzel halten sie nur bei ausstrahlenden Beschwerden für geeignet. Kommt der Schmerz vermutlich aus den kleinen Wirbelgelenken, sind stattdessen Testblockaden an deren Nervenästen vorgesehen.
Wie oft darf eine PRT-Spritze wiederholt werden?
Eine PRT-Spritze sollte nur wiederholt werden, wenn die erste gewirkt hat, etwa mit mindestens 2 Punkten weniger Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10. Zwischen zwei Spritzen sollten mindestens 1 bis 3 Wochen liegen. Serien nach Kalender ohne Prüfung der Wirkung lehnen die Fachleute ab.
Was ist der Unterschied zwischen PRT und Facetteninfiltration?
Die PRT ist eine Spritze an eine Nervenwurzel und richtet sich gegen Schmerzen, die ins Bein oder in den Arm ausstrahlen. Die Facetteninfiltration zielt auf die kleinen Wirbelgelenke und die feinen Nervenäste, die sie versorgen. PRT und Facetteninfiltration behandeln also verschiedene Schmerzquellen.
Wie gefährlich ist eine PRT-Spritze an der Nervenwurzel?
Komplikationen nach einer PRT-Spritze und anderen Spritzen in den Wirbelkanal sind sehr selten, einzelne schwere Verläufe sind aber beschrieben. Bei Spritzen zwischen die Wirbelbögen besteht ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für einen Bluterguss. Die Ärztin soll deshalb vorher Ihre Bilder prüfen, Sie danach untersuchen und Ihre Rückmeldung innerhalb von 14 Tagen einholen.
Wann kommt eine Verödung der Nerven an den Wirbelgelenken infrage?
Eine Verödung der Nerven an den Wirbelgelenken mit Hitze kommt infrage, wenn die Schmerzen chronisch sind und zwei Testblockaden je mindestens 50 Prozent Linderung gebracht haben. Hielt die Wirkung mindestens 3 Monate und kehrt der Schmerz zurück, kann sie wiederholt werden. Nach einer fachgerechten, aber erfolglosen Verödung wird dieselbe Stelle nicht noch einmal behandelt.
