Belegarzt und ambulant sind zwei verschiedene Fragen
Wenn Ihnen eine Orthopädin eine Operation empfiehlt, hören Sie oft mehrere Begriffe auf einmal. Belegarzt, ambulante Operation und stationäre Aufnahme beantworten aber verschiedene Fragen.
- Wer operiert Sie? Eine Ärztin mit eigener Praxis, die als Belegärztin im Krankenhaus operiert, oder eine Ärztin, die beim Krankenhaus angestellt ist.
- Wo findet die Operation statt? In der Praxis, in der Belegabteilung eines Krankenhauses oder in einer Fachabteilung des Krankenhauses.
- Bleiben Sie über Nacht? Nach einer ambulanten Operation gehen Sie am selben Tag nach Hause, nach einer stationären bleiben Sie mindestens eine Nacht.
Die Antworten lassen sich mischen. Eine Belegärztin operiert ambulant in ihrer Praxis oder stationär in ihrer Belegabteilung. Arbeitet ein Krankenhaus mit ihr zusammen, kann sie dort auch ambulant operieren. Umgekehrt kann eine angestellte Chirurgin einen Eingriff ambulant im Krankenhaus machen, wenn er auf der Liste der ambulanten Operationen steht.
Fragen Sie deshalb nach allen drei Punkten. Das Wort Belegarzt allein sagt nicht, ob Sie am Abend wieder zu Hause sind.
Ein Belegarzt operiert Sie selbst im Krankenhaus
Ein Belegarzt ist ein Facharzt mit eigener Kassenpraxis, der nicht beim Krankenhaus angestellt ist. Er darf seine eigenen Patienten im Krankenhaus behandeln und nutzt dafür dessen Betten, Operationssäle und Personal. Das Krankenhaus bezahlt ihn dafür nicht.
Belegabteilungen heißen die Stationen, auf denen Belegärzte ihre Patienten versorgen. Dort behandelt der Belegarzt stationär, also mit mindestens einer Übernachtung. Seine Arbeit bezahlt die Kasse über die Kassenärztliche Vereinigung, so wie eine Behandlung in der Praxis. Das Krankenhaus bekommt sein Geld getrennt davon.
Ob Ihre Ärztin als Belegärztin operiert, erfahren Sie am sichersten, wenn Sie direkt danach fragen.
Vor einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk, einer Spiegelung der Schulter und vielen Operationen an der Wirbelsäule steht Ihnen eine kostenlose Zweitmeinung vor der Operation zu. Das gilt egal, ob am Ende ein Belegarzt oder eine angestellte Ärztin operiert.
Wann eine Operation ambulant stattfindet
Krankenhäuser dürfen alle Eingriffe ambulant machen, die auf einer gemeinsamen Liste von Krankenkassen, Krankenhäusern und Kassenärzten stehen. Diese Liste der ambulanten Operationen passen sie mindestens alle zwei Jahre an den Stand der Medizin an.
Steht Ihr Eingriff auf der Liste, heißt das nicht automatisch, dass Sie am selben Tag heimgehen. Bestimmte Umstände rechtfertigen trotzdem eine Nacht im Krankenhaus. Dazu gehören Pflegegrad 4 oder 5, eine schwere Einschränkung der Beweglichkeit oder des Gedächtnisses und bestimmte schwere Begleiterkrankungen. Kann zu Hause niemand Ihre Versorgung sicherstellen, darf die Klinik Sie ebenfalls aufnehmen, muss das aber im Einzelfall begründen.
Steht Ihr Eingriff auf der Liste der ambulanten Operationen?
Haben Sie Pflegegrad 4 oder 5, eine schwere Begleiterkrankung oder niemanden, der Sie zu Hause versorgt?
Dann kann die Klinik Sie trotz der Liste über Nacht aufnehmen. Sie muss den Grund dafür festhalten.
Dann wird der Eingriff in der Regel ambulant gemacht, und Sie gehen am selben Tag nach Hause.
Dann bleibt die Operation stationär, und Sie bleiben mindestens eine Nacht im Krankenhaus.
Umgekehrt darf die Klinik auch bei einem solchen Umstand ambulant operieren, wenn das medizinisch vertretbar ist. Fragen Sie deshalb schon im Aufklärungsgespräch, ob Sie nach der Operation heimgehen oder bleiben, nicht erst am Tag der Aufnahme.
Warum die Kasse ambulant und stationär gleich bezahlt
Seit 2024 zahlen die Kassen für bestimmte Eingriffe denselben Betrag, egal ob Sie nach der Operation heimgehen oder kurz im Krankenhaus bleiben. Damit soll sich eine Übernachtung für die Klinik nicht mehr lohnen, wenn der Eingriff auch ambulant ginge. Diesen einheitlichen Preis können Krankenhausärzte und Ärzte mit eigener Praxis abrechnen, also auch Belegärzte.
Die Zahl der Eingriffe mit einheitlichem Preis wächst. 2026 gilt er für 904 Operationsschlüssel, 2025 waren es 583. Ein Operationsschlüssel ist die Nummer, unter der eine Klinik einen bestimmten Eingriff abrechnet. Neu dazugekommen sind 2026 unter anderem Gelenkspiegelungen und Gelenkversteifungen.
Was Sie vor einer ambulanten OP regeln
Ambulant heißt, Sie verlassen Klinik oder Praxis noch am selben Tag. Damit das gut geht, klären Sie einige Dinge vorher.
Aufklärungsgespräch
Sie erfahren, warum der Eingriff ambulant geplant ist. Fragen Sie, bei welchen Anzeichen Sie zu Hause anrufen oder in die Notaufnahme fahren sollen.
Begleitung organisieren
Nach einer Vollnarkose oder einer stärkeren Betäubung dürfen Sie nicht selbst Auto fahren. Klären Sie vorher, wer Sie abholt und in den ersten Stunden bei Ihnen bleibt.
Fahrt zur Operation
Die Kasse zahlt die Fahrt zur ambulanten Operation sowie zur Vor- und Nachbehandlung, wenn die Operation einen Krankenhausaufenthalt ersetzt. Ein Taxi zahlt die Kasse nur, wenn Sie aus medizinischen Gründen weder Bus noch Auto nutzen können, und die Praxis muss es aufschreiben.
Operation und Überwachung
Nach der Operation bleiben Sie zur Überwachung, bis Kreislauf, Schmerzmittel und Wunde eine Entlassung erlauben.
Nachsorge zu Hause
Wundkontrolle, Verbandswechsel und Physiotherapie laufen ambulant, oft in der Praxis, die operiert hat, oder bei Ihrer Hausärztin.
Wie viele Belegärzte es in Deutschland noch gibt
Belegärzte werden seltener. 2016 gab es in Deutschland 4.906, im Jahr 2025 noch 3.052. Die größten Gruppen stellen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte mit 26 Prozent sowie Chirurgie und Orthopädie mit 25 Prozent. Alle übrigen Fachrichtungen zusammen kommen auf 49 Prozent.
| Fachrichtung | Anteil an allen Belegärzten 2025 |
|---|---|
| Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde | 26 Prozent |
| Chirurgie und Orthopädie | 25 Prozent |
| Alle übrigen Fachrichtungen zusammen | 49 Prozent |
Mehr als 80 Prozent der Belegärzte haben höchstens 10 Betten im Krankenhaus, nur etwa 7 Prozent mehr als 20. Auch die Belegabteilungen werden weniger. 2020 gab es 1.116, im Jahr 2024 noch 869, ein Rückgang um 22 Prozent.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Belegarzt und einem Krankenhausarzt?
Ein Belegarzt hat eine eigene Kassenpraxis und darf seine Patienten im Krankenhaus behandeln, ohne dort angestellt zu sein. Ein Krankenhausarzt ist bei der Klinik angestellt. Beim Belegarzt betreut Sie meist dieselbe Person vor und nach der Operation.
Gehe ich nach einer Operation beim Belegarzt am selben Tag nach Hause?
Nach einer Operation beim Belegarzt gehen Sie nicht automatisch am selben Tag nach Hause. Im Krankenhaus behandelt der Belegarzt seine Patienten stationär, ambulant operiert er in seiner Praxis oder in Zusammenarbeit mit einer Klinik. Ob Sie heimgehen, hängt vom Eingriff und von Ihrer Lage ab.
Wann bleibe ich trotz geplanter ambulanter Operation im Krankenhaus?
Trotz geplanter ambulanter Operation bleiben Sie im Krankenhaus, wenn ein besonderer Umstand das rechtfertigt, etwa Pflegegrad 4 oder 5 oder eine schwere Begleiterkrankung. Auch wenn niemand Sie zu Hause versorgen kann, darf die Klinik Sie aufnehmen. Den Grund muss sie dann festhalten.
Zahlt die Krankenkasse die Fahrt zu einer ambulanten Operation?
Ja, die Krankenkasse zahlt die Fahrt zu einer ambulanten Operation und zur Vor- und Nachbehandlung, wenn die Operation einen Krankenhausaufenthalt ersetzt. Ein Taxi gibt es nur, wenn Sie aus medizinischen Gründen nicht mit Bus oder Auto fahren können. Wie viel Sie dazuzahlen, klären Sie vorher mit Ihrer Kasse.
Muss ich bei einer ambulanten Operation eine Zuzahlung leisten?
Nein, bei einer ambulanten Operation ohne Übernachtung fällt die Zuzahlung für Krankenhaustage weg. Bei stationärer Behandlung zahlen Erwachsene 10 Euro je Tag, höchstens für 28 Tage im Jahr. Ab Januar 2027 sind es 15 Euro je Tag.
