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Wie lange hält eine Knieprothese oder Hüftprothese?

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Ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk hält nach heutiger Erwartung 15 bis 20 Jahre. Innerhalb der ersten 10 Jahre brauchen 5,8 Prozent der vollständigen Knieprothesen und 4,6 bis 4,7 Prozent der geplanten Hüftprothesen eine erneute Operation. Die häufigsten Gründe dafür sind eine Lockerung und eine Infektion. Ein Wechsel ist schwieriger als die erste Operation.

Erwartete Haltbarkeit eines künstlichen Gelenks
15 bis 20 Jahre
EPRD-Jahresbericht 2025, Kapitel 6 Standzeiten, Stand 28. Oktober 2025
Erneute OP am künstlichen Knie
5,8 Prozent in 10 Jahren
EPRD-Jahresbericht 2025, Tabelle 57, vollständige Knieprothese in Standardform, Stand 28. Oktober 2025
Erneute OP an der künstlichen Hüfte
4,6 bis 4,7 Prozent in 10 Jahren
EPRD-Jahresbericht 2025, Tabelle 50, geplante Hüftprothese mit und ohne Zement, Stand 28. Oktober 2025
Ein Modell eines künstlichen Kniegelenks aus Metall steht neben einem Röntgenbild eines Knies mit Prothese.
Ein künstliches Kniegelenk ersetzt die abgenutzten Gelenkflächen durch Metall und Kunststoff. Bild: KI generiert.

Wie viele Jahre Knie- und Hüftprothesen halten

Das Endoprothesenregister Deutschland sammelt seit November 2012 Daten zu künstlichen Hüft- und Kniegelenken. Es erwartet, dass ein künstliches Gelenk 15 bis 20 Jahre hält. Eigene Zahlen hat das Register bisher nur für die ersten 10 Jahre nach der Operation, weil die Beobachtung noch läuft.

Das Register misst deshalb nicht die Haltbarkeit selbst. Es zählt, wie viele künstliche Gelenke nach 1, 5 oder 10 Jahren erneut operiert werden mussten. Als erneute Operation, kurz Nachoperation, gilt jeder Wechsel, jede Ergänzung und jeder Ausbau von Teilen.

Das Risiko einer erneuten OP nach 10 Jahren

Nach 10 Jahren reicht das Risiko einer erneuten Operation von 4,6 Prozent bei einer geplanten Hüftprothese mit Zement bis 10,8 Prozent bei einer Schlittenprothese am Knie. Eine vollständige Knieprothese liegt nach 5 Jahren bei 4,5 Prozent und nach 10 Jahren bei 5,8 Prozent. Eine Hüftprothese ohne Zement liegt bei 3,8 und 4,7 Prozent. Geplant heißt, dass die Hüftprothese nicht als Notfall nach einem Knochenbruch eingesetzt wurde. Der Schaft ist der Teil der Hüftprothese, der im Oberschenkelknochen steckt.

So viele künstliche Gelenke mussten innerhalb von 5 und 10 Jahren erneut operiert werden. Datenstand Ende 2024.
Art des künstlichen GelenksErneute Operation nach 5 JahrenErneute Operation nach 10 Jahren
Vollständige Knieprothese4,5 Prozent5,8 Prozent
Schlittenprothese, ersetzt nur einen Teil des Knies7,2 Prozent10,8 Prozent
Geplante Hüftprothese, Schaft ohne Zement im Knochen verankert3,8 Prozent4,7 Prozent
Geplante Hüftprothese, Schaft mit Knochenzement befestigt3,4 Prozent4,6 Prozent

Eine geplante Hüftprothese muss in den ersten 10 Jahren etwas seltener erneut operiert werden als eine vollständige Knieprothese. Bei einer Schlittenprothese bleibt ein Teil des natürlichen Kniegelenks erhalten. Fortschreitende Arthrose in diesem Teil ist am Knie einer der Gründe für eine Nachoperation.

Lockerung und Infektion sind die häufigsten Gründe

Am häufigsten führen Lockerung und Infektion zu einer Nachoperation. An der Hüfte war 2024 bei 21,0 Prozent der Nachoperationen eine Lockerung der Grund und bei 18,5 Prozent eine Infektion, am Knie bei 21,8 und 15,2 Prozent. Knochenbrüche am künstlichen Gelenk machten an der Hüfte 15,5 Prozent aus, am Knie nur 3,6 Prozent. Die Anteile reichen von 0,5 Prozent für fortschreitende Arthrose an der Hüfte bis 21,8 Prozent für Lockerung am Knie.

Aus diesen Gründen wurden künstliche Hüft- und Kniegelenke im Jahr 2024 nachoperiert.
Grund für die NachoperationAnteil an der HüfteAnteil am Knie
Lockerung21,0 Prozent21,8 Prozent
Infektion18,5 Prozent15,2 Prozent
Knochenbruch am künstlichen Gelenk15,5 Prozent3,6 Prozent
Ausrenken an der Hüfte, instabile Bänder am Knie14,3 Prozent9,1 Prozent
Fortschreitende Arthrose im nicht ersetzten Teil0,5 Prozent7,9 Prozent

Der größte Unterschied betrifft den Knochenbruch am künstlichen Gelenk. An der Hüfte ist er mehr als viermal so oft der Grund wie am Knie. Fortschreitende Arthrose im nicht ersetzten Teil spielt dagegen fast nur am Knie eine Rolle.

Wie der Wechsel eines künstlichen Gelenks abläuft

Ein Wechsel ist schwieriger als die erste Operation. Knochen und Weichteile sind durch die erste Operation schon verändert, und die Ursache des Problems muss zuerst geklärt werden.

Von der Suche nach der Ursache bis zum neuen Gelenk
  1. Ursache klären

    Röntgenbilder, oft eine Probe aus dem Gelenk und Blutwerte zeigen, ob eine Infektion, eine Lockerung, eine Fehlstellung oder ein Bruch dahintersteckt.

  2. Wechsel in einer Operation

    Ist das Gelenk ohne Anzeichen einer Infektion gelockert, tauscht die Chirurgin die betroffenen Teile in einer einzigen Operation aus.

  3. Wechsel in zwei Operationen

    Bei einer Infektion entfernt die Chirurgin meist zuerst das künstliche Gelenk und setzt einen Platzhalter ein. Das neue Gelenk folgt in einer zweiten Operation, wenn die Infektion abgeklungen ist.

  4. Gelenk erhalten bei frischer Infektion

    Ist die Infektion noch frisch, entfernt die Chirurgin das entzündete Gewebe, gibt Antibiotika und lässt die fest im Knochen verankerten Teile drin.

  5. Engere Kontrollen danach

    Nach einem Wechsel kommen Sie öfter zur Kontrolle als nach der ersten Operation, weil eine weitere Operation dann deutlich wahrscheinlicher ist.

Nach einem Wechsel an der Hüfte wegen einer Infektion war bei 29,9 Prozent innerhalb von 2 Jahren eine weitere Operation nötig. Das gilt für Wechsel, die in einer einzigen Operation erfolgten. Nach einem Wechsel wegen Ausrenkens waren es 22,3 Prozent. Jede weitere Nachoperation am selben Gelenk erhöht das Risiko für die nächste.

Woran Sie ein Problem mit Ihrer Prothese merken

Ein künstliches Gelenk versagt selten von einem Tag auf den anderen. Diese Anzeichen sollten Sie ärztlich abklären lassen, egal wie lange die Operation zurückliegt.

  • Neue oder stärker werdende Schmerzen nach einer Zeit ohne Beschwerden, beim Gehen oder in Ruhe.
  • Das Gefühl, dass das Gelenk wackelt oder beim Gehen und Treppensteigen wegknickt.
  • Neue Geräusche aus dem Gelenk, etwa Knirschen oder Klicken.
  • Rötung, Wärme, Schwellung oder Fieber. Das können Zeichen einer Infektion sein, die schnell untersucht werden muss.
  • Plötzlicher starker Schmerz nach einem Sturz, auch Jahre nach der Operation. Dahinter kann ein Knochenbruch am künstlichen Gelenk stecken.

Keines dieser Anzeichen beweist allein, dass ein Wechsel nötig ist. Ob eine Lockerung, eine Infektion oder etwas anderes dahintersteckt, klärt erst die Untersuchung in der orthopädischen Praxis oder Klinik.

  1. Notieren Sie, seit wann die Beschwerden bestehen und was sie auslöst.
  2. Lassen Sie sich bald einen Termin geben, statt Wochen zu warten. Bei Fieber oder plötzlichem Schmerz gehen Sie noch am selben Tag.
  3. Bringen Sie Ihren Prothesenpass oder den Operationsbericht mit.
  4. Fragen Sie vor einem geplanten Wechsel, wie viele Wechsel die Klinik im Jahr macht, und nicht nur, wie viele erste Operationen.
Ist Ihr Problem mit der Prothese dringend?

Haben Sie Fieber, eine schnell zunehmende Schwellung oder plötzlich starke Schmerzen?

Ja

Das können Zeichen einer Infektion oder eines Bruchs sein. Gehen Sie noch am selben Tag zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Nein

Nehmen Schmerzen oder Wackeln seit Wochen langsam zu?

Ja

Lassen Sie das in einer orthopädischen Praxis abklären. Vor einem geplanten Wechsel steht Ihnen erneut eine kostenlose Zweitmeinung zu.

Nein

Beobachten Sie das Gelenk weiter und nutzen Sie die regelmäßigen Kontrolltermine.

Welche Klinik Wechseloperationen oft genug macht

Für Wechsel am künstlichen Knie gilt ab 2028 eine Mindestzahl von 25 Eingriffen je Krankenhausstandort und Jahr. Für die Hüfte gibt es keine solche Vorgabe. Ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum der strengeren Stufe muss mindestens 50 Wechsel im Jahr nachweisen. Diese Stufe heißt Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung.

Vor einem geplanten Wechsel am Knie oder an der Hüfte steht Ihnen wie vor der ersten Operation eine kostenlose Zweitmeinung vor der Operation zu. Die zweite Ärztin darf nicht aus der Klinik kommen, die den Wechsel machen soll.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein künstliches Kniegelenk oder Hüftgelenk?

Ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk hält nach heutiger Erwartung 15 bis 20 Jahre. Innerhalb der ersten 10 Jahre brauchen 5,8 Prozent der vollständigen Knieprothesen und 4,6 bis 4,7 Prozent der geplanten Hüftprothesen eine erneute Operation. Für die Zeit danach hat das deutsche Register noch keine eigenen Zahlen.

Hält eine Hüftprothese länger als eine Knieprothese?

Ja, eine geplante Hüftprothese muss in den ersten 10 Jahren etwas seltener erneut operiert werden als eine vollständige Knieprothese. Bei der Hüfte sind es 4,6 bis 4,7 Prozent, beim Knie 5,8 Prozent. Eine Schlittenprothese, die nur einen Teil des Knies ersetzt, liegt mit 10,8 Prozent am höchsten.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Wechsel der Knie- oder Hüftprothese?

Die häufigsten Gründe für einen Wechsel der Knie- oder Hüftprothese sind Lockerung und Infektion. An der Hüfte kommen Knochenbrüche am künstlichen Gelenk und Ausrenken deutlich häufiger dazu. Am Knie spielen instabile Bänder und fortschreitende Arthrose im nicht ersetzten Teil eine größere Rolle.

Woran merke ich, dass mit meiner Knie- oder Hüftprothese etwas nicht stimmt?

Warnzeichen bei einer Knie- oder Hüftprothese sind neue oder stärker werdende Schmerzen nach einer Zeit ohne Beschwerden, ein wackeliges Gefühl und neue Geräusche aus dem Gelenk. Rötung, Schwellung oder Fieber können eine Infektion anzeigen. Plötzlicher starker Schmerz nach einem Sturz kann auf einen Knochenbruch am Gelenk hinweisen und gehört schnell untersucht.

Ist ein Wechsel der Prothese riskanter als die erste Operation?

Ja, nach einem Wechsel der Prothese ist eine weitere Operation deutlich häufiger nötig als nach der ersten Operation. Nach einem Hüftwechsel wegen Infektion in einer einzigen Operation brauchten 29,9 Prozent innerhalb von 2 Jahren eine weitere Operation. Nach einem Wechsel wegen Ausrenkens waren es 22,3 Prozent.

Gibt es eine Mindestzahl für Wechseloperationen an Knie oder Hüfte?

Für Wechseloperationen am künstlichen Knie gilt ab 2028 eine Mindestzahl von 25 Eingriffen je Krankenhausstandort und Jahr. Für die Hüfte gibt es keine vorgeschriebene Mindestzahl. Das freiwillige Zertifikat EndoCert verlangt von der strengeren Stufe mindestens 50 Wechsel im Jahr.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. EPRD Jahresbericht 2025 mit den Daten des Jahres 2024, EPRD Deutsche Endoprothesenregister gGmbH,
  2. EndoCert-Jahresbericht 2025, Kennzahlen im EndoCert-System, ClarCert im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC),
  3. Mindestmengenregelungen nach § 136b Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB V, Stand 6. August 2026, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  4. Fünftes Buch Sozialgesetzbuch, § 27b Zweitmeinung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  5. Fünftes Buch Sozialgesetzbuch, § 136b Verbesserung der Versorgungsqualität durch Qualitätsverträge und weitere Maßnahmen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.