Endoprothetikzentrum darf sich jede Klinik nennen
Endoprothetik heißt der Bereich der Medizin, der künstliche Gelenke einsetzt und wechselt. Endoprothetikzentrum ist aber kein geschützter Name. Jede Klinik darf sich so nennen, und niemand prüft das. Wer ein künstliches Knie oder eine künstliche Hüfte bekommt, braucht deshalb ein Zeichen, das jemand von außen kontrolliert hat.
Dieses Zeichen ist das Zertifikat EndoCert. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, die Fachgesellschaft der Orthopäden, hat es 2012 bundesweit eingeführt. Kliniken bewerben sich freiwillig darum, und die Zertifizierungsstelle ClarCert prüft sie vor Ort. Ein Zertifikat zeigt, dass eine Klinik festgelegte Mindestanforderungen erfüllt. Ein amtliches Gütesiegel ist es nicht, und ein gutes Ergebnis Ihrer eigenen Operation verspricht es auch nicht.
Wie viele Eingriffe ein zertifiziertes Zentrum nachweist
Die Anforderungen reichen von 50 Eingriffen je Hauptoperateur bis 200 Eingriffen je Klinikstandort. Ein Endoprothetikzentrum muss mindestens 100 künstliche Gelenke im Jahr einsetzen oder wechseln. In der strengeren Stufe sind es 200, davon mindestens 50 Wechsel. In der Sprechstunde sollen Sie weniger als 60 Minuten warten, bis Sie eine Ärztin sehen.
| Anforderung | Endoprothetikzentrum | Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung |
|---|---|---|
| Künstliche Gelenke je Jahr am Standort | mindestens 100 | mindestens 200 |
| Davon Wechsel eines künstlichen Gelenks | keine eigene Vorgabe | mindestens 50 |
| Eingriffe je Hauptoperateur und Jahr | mindestens 50 | mindestens 50 |
| Eingriffe je Senior-Hauptoperateur und Jahr | keine Vorgabe | mindestens 100 |
| Zusatzausbildung Spezielle Orthopädische Chirurgie | bei mindestens einem Hauptoperateur | bei mindestens einem Hauptoperateur |
| Fortbildung der Hauptoperateure | 3 anerkannte Kurse in 3 Jahren | 3 anerkannte Kurse in 3 Jahren |
| Wartezeit in der Sprechstunde bis zum ersten Arztkontakt | unter 60 Minuten | unter 60 Minuten |
Hauptoperateure nennt EndoCert die erfahrenen Ärztinnen und Ärzte, die im Zentrum künstliche Gelenke einsetzen. Jeder von ihnen muss mindestens 50 Eingriffe im Jahr nachweisen und regelmäßig Fortbildungen besuchen. In der strengeren Stufe braucht das Zentrum zusätzlich einen Senior-Hauptoperateur mit mindestens 100 Eingriffen im Jahr.
Mindestens ein Hauptoperateur muss die Zusatzausbildung Spezielle Orthopädische Chirurgie haben, die die Ärztekammer nach einer weiteren Weiterbildung vergibt. Das Zertifikat prüft damit die Spitze des Teams, nicht jede Person, die im Zentrum operiert. Für Sie zählt deshalb vor allem, wie oft die Person operiert, die Ihr künstliches Gelenk einsetzt. Diese Zahl zeigt, wie viel Routine sie hat.
Wie oft Prüfer ein Endoprothetikzentrum kontrollieren
Ein Zertifikat gilt nicht für immer. EndoCert prüft jedes Zentrum in einem Kreislauf von drei Jahren, und in jedem Jahr gibt es eine Prüfung.
Erste Prüfung
Fachleute aus der Orthopädie kommen in die Klinik. Sie prüfen Fallzahlen, Behandlungsabläufe, die Besprechung von Komplikationen und die Ausbildung der Operateure.
Erste Kontrolle nach einem Jahr
Die Klinik weist die Mindestzahlen erneut nach. Dazu legt sie Kennzahlen vor, etwa zur Wartezeit, zur Zufriedenheit der Patienten und zur Haltbarkeit der künstlichen Gelenke.
Zweite Kontrolle nach zwei Jahren
Die Prüfer wiederholen die Kontrolle. So fallen Probleme früh auf und nicht erst nach drei Jahren.
Wiederholung nach drei Jahren
Eine vollständige Prüfung wie am Anfang entscheidet, ob die Klinik das Zertifikat für weitere drei Jahre bekommt.
Zu den geprüften Kennzahlen gehört auch, wie viele Operationen eine Klinik nicht an das Endoprothesenregister Deutschland gemeldet hat. Das Register sammelt Daten dazu, wie lange Knie- und Hüftprothesen halten. Meldet eine Klinik nur lückenhaft, sagen ihre eigenen Zahlen zur Haltbarkeit weniger aus.
Was der Bundes-Klinik-Atlas über Endoprothetikzentren verrät
Der Bundes-Klinik-Atlas ist ein kostenloses Verzeichnis der Krankenhäuser in Deutschland im Internet. Er beruht auf einem Gesetz und zeigt unter Knochen, Gelenke und Gelenkersatz, ob ein Krankenhaus als Endoprothetikzentrum oder als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert ist.
- Der Atlas zeigt, ob ein Standort aktuell eines der beiden Zertifikate trägt.
- Er zeigt, wie viele Behandlungsfälle das Krankenhaus und seine Fachabteilungen im Jahr haben.
- Bei künstlichen Kniegelenken zeigt er, ob die Klinik die vorgeschriebene Mindestzahl voraussichtlich erreicht oder mit einer Ausnahme des Bundeslandes operiert.
- Zahlen zu einzelnen Ärztinnen und Ärzten zeigt er nicht.
- Ein Krankenhaus, das nie am Zertifikat teilgenommen hat, erscheint ohne Zertifikat, auch wenn es viel operiert.
Der Atlas ist damit ein guter erster Schritt. Ein Haus ohne Zertifikat kann trotzdem erfahren sein, es hat sich nur keiner Prüfung von außen gestellt. Das Wort Zentrum im Namen einer Klinik sagt für sich allein nichts.
Die Klinik in 6 Schritten selbst prüfen
Vor einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk steht Ihnen eine kostenlose Zweitmeinung vor der Knie- oder Hüft-OP zu. In diesem Gespräch können Sie auch die Wahl der Klinik besprechen.
- Prüfen Sie in endoMap, ob der Standort und die Person, die Sie operieren soll, aktuell aufgeführt sind.
- Fragen Sie, wie viele künstliche Gelenke die Person, die Sie operiert, im Jahr einsetzt, und nicht nur nach der Zahl der ganzen Klinik.
- Fragen Sie, ob die Klinik Ihre Operation an das Endoprothesenregister Deutschland meldet.
- Fragen Sie vor einem künstlichen Knie, ob der Standort die vorgeschriebene Mindestzahl erreicht. 2026 und 2027 sind es 50 im Jahr, danach steigt die Zahl.
- Klären Sie, ob ein Wechsel oder ein schwieriger Fall im selben Haus bleibt oder an ein größeres Zentrum geht.
- Fragen Sie, wie die Klinik vorgeht, wenn während der Operation ein Knochen bricht oder ein anderes Problem auftritt.
Ist der Standort Ihrer Operation aktuell in endoMap zertifiziert?
Kennen Sie die Fallzahl Ihres Operateurs, und meldet die Klinik an das Register?
Sie haben die wichtigsten prüfbaren Angaben zusammen. Offen bleibt nur, wie gut Sie die Klinik für die Nachsorge erreichen.
Das Zertifikat beantwortet diese beiden Fragen nicht. Stellen Sie sie im Aufklärungsgespräch vor der Operation.
Ohne Zertifikat fehlt die Prüfung von außen. Fragen Sie deshalb genauer nach Fallzahl, Komplikationen und Meldung an das Register.
Häufige Fragen
Ist Endoprothetikzentrum eine geschützte Bezeichnung?
Nein, Endoprothetikzentrum ist keine geschützte Bezeichnung, jede Klinik darf sich so nennen. Geprüft ist nur das freiwillige Zertifikat EndoCert der Fachgesellschaft für Orthopädie. Ob eine Klinik es aktuell trägt, zeigt die Datenbank endoMap.
Was unterscheidet ein Endoprothetikzentrum von einem Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung?
Ein Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung muss mindestens 200 künstliche Gelenke im Jahr einsetzen oder wechseln, davon mindestens 50 Wechsel. Ein einfaches Endoprothetikzentrum braucht mindestens 100. In der strengeren Stufe muss außerdem ein Senior-Hauptoperateur mindestens 100 Eingriffe im Jahr machen.
Wie finde ich ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum in meiner Nähe?
Ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum in Ihrer Nähe finden Sie in der Datenbank endoMap, mit einer Suche nach Postleitzahl und Umkreis. Dort steht auch, welche Stufe der Standort hat. Der Bundes-Klinik-Atlas zeigt beide Zertifikate ebenfalls für jedes Krankenhaus.
Zeigt der Bundes-Klinik-Atlas, wie oft ein Arzt künstliche Gelenke einsetzt?
Nein, der Bundes-Klinik-Atlas zeigt keine Zahlen zu einzelnen Ärztinnen und Ärzten. Er zeigt die Behandlungsfälle des Krankenhauses und seiner Fachabteilungen und bei künstlichen Kniegelenken, ob die Klinik die Mindestzahl erreicht. Wie oft Ihre Operateurin operiert, fragen Sie in der Klinik direkt.
Wie lange gilt ein EndoCert-Zertifikat?
Ein EndoCert-Zertifikat gilt für einen Kreislauf von drei Jahren. Nach der ersten Prüfung kontrollieren die Prüfer die Klinik jedes Jahr, im dritten Jahr folgt eine vollständige Wiederholung. Dann entscheidet sich, ob die Klinik das Zertifikat behält.
