6 Schritte gegen Kniearthrose ohne Operation
Kniearthrose ist ein Verschleiß des Kniegelenks, bei dem der Knorpel nach und nach zerstört wird. Mit der Zeit leiden auch Bänder, Knochen, Gelenkkapsel und Muskeln.
Wie man Kniearthrose ohne Operation behandelt, haben über 20 ärztliche Fachgesellschaften und Verbände 2024 gemeinsam aufgeschrieben, zusammen mit der Rheuma-Liga als Vertretung der Patienten. Sechs Behandlungsschritte tragen dort die stärkste Empfehlung.
| Schritt | Was Sie konkret tun |
|---|---|
| Knie im Alltag schonen | Was das Knie stark belastet, etwa Knien, Hocken oder schweres Tragen, in Alltag, Beruf und Sport meiden |
| Muskeln kräftigen | Kraft- und Beweglichkeitsübungen früh unter Anleitung lernen, dann regelmäßig allein weiterüben |
| Abnehmen bei Übergewicht | Mit praktischer Anleitung abnehmen. Laut den Fachleuten bringt jede Abnahme Richtung Normalgewicht weniger Schmerz und bessere Beweglichkeit. |
| Schmerzgel auftragen | Entzündungshemmendes Gel oder Creme aufs Knie, bevor Sie Tabletten nehmen |
| Bewegungstherapie | Übungen für Kraft, Beweglichkeit und Gang, meist als Physiotherapie auf Rezept |
| Sport treiben | Einen Sport wählen, der zu Ihrem Knie passt, etwa Radfahren oder Schwimmen |
Bis zu 6 Termine Physiotherapie je Rezept
Physiotherapie bei Kniearthrose schreibt Ihnen Ihre Ärztin auf ein Rezept. Wie viel sie aufschreiben darf, steht im Heilmittelkatalog, einer Liste, die Ärzte und Krankenkassen gemeinsam festlegen. Bei Kniearthrose sind das bis zu 6 Termine je Rezept, ein- bis dreimal pro Woche. Als Richtwert gelten bis zu 18 Termine für dieselbe Erkrankung.
Der Richtwert ist keine feste Grenze. Hat sich Ihr Knie danach noch nicht genug gebessert, darf die Praxis weitere Rezepte ausstellen.
- Lösen Sie das Rezept zügig ein. Die Behandlung muss innerhalb von 28 Tagen nach dem Ausstellen beginnen.
- Achten Sie auf das Kästchen für dringende Fälle. Ist es angekreuzt, muss die Behandlung spätestens nach 14 Tagen beginnen.
- Rechnen Sie mit der Zuzahlung. Sie beträgt 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 plus 15 Euro.
- Heben Sie alle Quittungen auf. Wer im Jahr mehr als 2 Prozent der Bruttoeinnahmen seines Haushalts zuzahlt, wird auf Antrag für den Rest des Jahres befreit. Bei einer schweren chronischen Krankheit in Dauerbehandlung liegt die Grenze bei 1 Prozent.
Welche Schmerzmittel bei Kniearthrose empfohlen sind
Bei den Medikamenten fangen die Fachleute außen an. Zuerst soll Ihnen die Praxis ein entzündungshemmendes Gel oder eine Creme anbieten, etwa mit Diclofenac. Erst wenn das nicht wirkt oder nicht passt, schlagen sie Tabletten aus derselben Gruppe vor. Diese Tabletten können Magen, Darm, Leber, Nieren sowie Herz und Kreislauf belasten. Haben Sie ein erhöhtes Risiko für ein Magengeschwür, bekommen Sie einen Magenschutz dazu.
Bei anderen Schmerzmitteln sind die Fachleute zurückhaltend.
- Paracetamol empfehlen sie nicht als Dauermittel, nur selten und kurz, wenn alle anderen Mittel ausscheiden.
- Metamizol kommt nur bei starken Schmerzen infrage, wenn andere Mittel nicht passen oder nicht wirken. Die Praxis muss Sie über Nebenwirkungen und Zeichen einer Infektion aufklären.
- Schwach wirksame Opioide, also morphinähnliche Schmerzmittel, kommen nur gelegentlich und kurz infrage, wenn andere Mittel ausscheiden.
- Stark wirksame Opioide lehnen sie ab.
- Glucosamin empfehlen sie nicht. Es gibt keinen sicheren Beleg, dass es den Knorpel schützt.
- Kortison ins Gelenk schlagen sie für kurze Zeit vor, wenn andere Mittel nicht wirken oder wenn die Spritze die Physiotherapie unterstützt.
Die Kortisonspritze wirkt nur 2 bis 10 Wochen, und darauf muss Sie die Praxis vorher hinweisen. Spritzen ins Gelenk dürfen nur Ärztinnen und Ärzte geben, die diese Technik gelernt haben und die Hygieneregeln einhalten.
Für Hyaluronsäure ins Knie geben die Fachleute keine Empfehlung, weil sich die Studien widersprechen. Eine Spritze mit Eigenblut, auch PRP genannt, kann man erwägen. Das gilt aber nur, wenn andere Mittel gegen Schmerz nicht passen oder nicht wirken.
Wovon die Ärzte bei Kniearthrose abraten
Knieorthesen und Schuhzurichtungen empfehlen die Fachleute nicht als Routine. Eine Orthese ist eine stützende Schiene fürs Knie, eine Schuhzurichtung ein Umbau an Ihrem Schuh. Infrage kommen beide erst, wenn Bewegungstherapie allein nicht gereicht hat, wenn das Knie deutlich instabil ist oder wenn es falsch belastet wird.
Bei Massage und Ergotherapie reichen die Studien nicht aus. Deshalb geben die Fachleute dazu keine Empfehlung.
Eine Kniespiegelung, bei der das Gelenk nur gespült oder geglättet wird, lehnen die Fachleute ab, wenn Untersuchung und Röntgenbild die Kniearthrose belegen. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt sie auch nicht. Das Gremium von Ärzten und Krankenkassen, das festlegt, was die Kasse zahlt, hat diese Eingriffe 2015 gestrichen. Ausgenommen sind Eingriffe nach einem Unfall, bei einem plötzlich blockierten Knie oder wegen eines Meniskusschadens, wenn die Arthrose dabei nur eine Nebenrolle spielt.
Soll das Knie nur wegen der Arthrose gespiegelt werden?
Die gesetzliche Kasse zahlt das nicht. Die Fachleute raten auch davon ab.
Erklärt ein Unfall, eine Blockade oder ein Meniskusschaden Ihre Beschwerden?
Dann kann die Kasse den Eingriff zahlen. Lassen Sie sich zeigen, wie dieser Befund gesichert wurde.
Dann bleibt es bei der Arthrose. Zuerst kommen die 6 Schritte ohne Operation.
Wann die Kasse eine Knieorthese bezahlt
Einlagen, Bandagen und Orthesen zahlt die Kasse als Hilfsmittel, wenn Sie sie im Einzelfall brauchen. Sie sollen den Erfolg der Behandlung sichern, einer Behinderung vorbeugen oder sie ausgleichen. Weil die Fachleute Orthesen bei Kniearthrose nicht als Routine empfehlen, sollte Ihre Ärztin den Grund festhalten.
Die Zuzahlung für ein Hilfsmittel beträgt 10 Prozent des Preises, mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Sie ist aber nie höher als der Preis selbst. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die Grenzen auf 7,50 Euro und 15 Euro. Für Physiotherapie zahlen Sie 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept, ab 2027 plus 15 Euro.
| Was Sie bekommen | Zuzahlung bis Ende 2026 | Zuzahlung ab 1. Januar 2027 |
|---|---|---|
| Physiotherapie, je Rezept | 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro | 10 Prozent der Kosten plus 15 Euro |
| Einlage, Bandage oder Orthese, je Stück | 10 Prozent, mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro | 10 Prozent, mindestens 7,50 Euro, höchstens 15 Euro |
Wählen Sie ein Modell, das mehr kann als nötig, zahlen Sie die Mehrkosten selbst.
So läuft die Behandlung der Kniearthrose ab
1. Untersuchung und Plan
Ihre Ärztin untersucht das Knie und bespricht mit Ihnen, was es im Alltag belastet.
2. Angeleitet üben
In bis zu 6 Terminen Physiotherapie lernen Sie Übungen, die Sie auch zu Hause machen.
3. Alltag umstellen
Sie meiden, was Ihr Knie stark belastet, und nehmen bei Übergewicht ab.
4. Bilanz ziehen
Sie vergleichen Schmerz, Gehstrecke und Treppensteigen mit dem Anfang. Danach richtet sich das nächste Rezept.
5. Allein weiterüben
Sie üben selbst weiter und lassen das Ergebnis ab und zu prüfen.
6. Über eine Operation sprechen
Bessert sich trotz allem nichts, wird ein künstliches Kniegelenk zum Thema.
Bei fortgeschrittener Kniearthrose prüfen Sie und Ihre Ärztin gemeinsam, ob ein künstliches Kniegelenk infrage kommt. Dabei besprechen Sie offen, welche Ergebnisse Sie erwarten können und welche nicht. Vor dieser Operation haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine Zweitmeinung vor einer Knie-OP. Ihre Ärztin muss Sie darauf in der Regel mindestens 10 Arbeitstage vor dem geplanten Eingriff hinweisen.
Häufige Fragen
Was hilft bei Kniearthrose ohne Operation?
Bei Kniearthrose ohne Operation empfehlen die Fachgesellschaften vor allem Bewegung, also angeleitetes Kraft- und Beweglichkeitstraining, Bewegungstherapie und angepassten Sport. Dazu kommen weniger Belastung fürs Knie, Abnehmen bei Übergewicht und ein entzündungshemmendes Schmerzgel. Diese sechs Schritte tragen die stärkste Empfehlung.
Wie viele Termine Physiotherapie bekomme ich bei Kniearthrose?
Bei Kniearthrose schreibt die Praxis bis zu 6 Termine Physiotherapie je Rezept auf, ein- bis dreimal pro Woche. Als Richtwert gelten bis zu 18 Termine für dieselbe Erkrankung. Reicht das nicht, darf die Praxis weitere Rezepte ausstellen.
Wie viel zahle ich für Physiotherapie bei Kniearthrose zu?
Für Physiotherapie zahlen Erwachsene 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept. Ab dem 1. Januar 2027 steigt der feste Betrag auf 15 Euro. Wer im Jahr mehr als 2 Prozent der Bruttoeinnahmen seines Haushalts zuzahlt, wird auf Antrag befreit, bei schwerer chronischer Krankheit ab 1 Prozent.
Zahlt die Krankenkasse eine Kniespiegelung bei Arthrose?
Nein, eine Kniespiegelung allein wegen Arthrose zahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht. Das haben Ärzte und Krankenkassen 2015 gemeinsam beschlossen. Gezahlt wird weiter, wenn ein Unfall, ein plötzlich blockiertes Knie oder ein Meniskusschaden die Beschwerden sicher erklärt.
Wie lange wirkt eine Kortisonspritze ins Knie bei Arthrose?
Eine Kortisonspritze ins Knie wirkt bei Arthrose nur 2 bis 10 Wochen. Die Fachleute schlagen sie für kurze Zeit vor, wenn andere Mittel nicht wirken oder wenn sie die Physiotherapie unterstützt.
Wann empfehlen Ärzte eine Knieorthese bei Arthrose?
Eine Knieorthese empfehlen die Fachgesellschaften bei Arthrose nicht als Routine. Infrage kommt sie, wenn Bewegungstherapie allein nicht gereicht hat, wenn das Knie deutlich instabil ist oder wenn es falsch belastet wird. Diesen Grund sollte Ihre Ärztin festhalten, wenn die Kasse die Orthese zahlen soll.
