Training ist bei Hüftarthrose die wichtigste Behandlung
Bei einer Hüftarthrose nutzt sich der Knorpel im Hüftgelenk ab. Ohne Operation steht dann die Bewegungstherapie im Mittelpunkt, an Land und im Wasser. So steht es in der Behandlungsempfehlung, die ärztliche Fachgesellschaften 2019 für die Hüftarthrose geschrieben haben. Sie beruht auf der Einigung der Fachleute, ist weniger streng geprüft als die Empfehlung zum Knie und wird gerade überarbeitet.
Ihr Training soll zu Ihrem Alter, Ihren anderen Erkrankungen, Ihren Schmerzen und Ihrer Beweglichkeit passen. Es kräftigt die Muskeln und macht Sie insgesamt belastbarer. Am Anfang leitet Sie eine Physiotherapeutin an, danach üben Sie allein weiter.
Für die Menge nennen die Fachleute klare Werte. Ausdauertraining machen Sie an 3 bis 5 Tagen pro Woche, je 20 bis 90 Minuten. Krafttraining kommt an 2 bis 3 Tagen dazu, mit 2 bis 4 Durchgängen je Muskelgruppe. Dehnen Sie an 2 bis 3 Tagen, je Muskelgruppe etwa 60 Sekunden lang.
| Training | Tage pro Woche | Umfang je Einheit |
|---|---|---|
| Ausdauertraining | 3 bis 5 Tage | 20 bis 90 Minuten, mit einem Puls von 55 bis 90 Prozent Ihres Höchstwerts |
| Krafttraining | 2 bis 3 Tage | 2 bis 4 Durchgänge mit 8 bis 12 Wiederholungen je Muskelgruppe, bis die Muskeln müde sind, aber nicht erschöpft |
| Dehnen | 2 bis 3 Tage | etwa 60 Sekunden je Muskelgruppe |
| Übungen im Bewegungsbad | 2 Tage | keine feste Dauer genannt |
Übungen im Bewegungsbad verbessern laut den Fachleuten die Funktion der Hüfte und lindern Schmerzen, am besten zweimal pro Woche. Dazu gehört eine Schulung, in der Sie lernen, selbst mit der Arthrose zurechtzukommen. Dort üben Sie, Schmerzen zu bewältigen, sich zu entspannen und dauerhaft in Bewegung zu bleiben. Training und Schulung zusammen wirken in Studien stärker als Training allein.
Ein Gehstock auf der gesunden Seite entlastet die Hüfte
Ein Gehstock oder eine Unterarmstütze nimmt Gewicht von der kranken Hüfte. Das kann Schmerzen lindern und das Gleichgewicht verbessern. Am stärksten entlastet die Gehhilfe, wenn Sie sie auf der gesunden Seite tragen. Eigene Studien zur Hüftarthrose gibt es dazu nicht, aber Auswertungen anderer Studien zeigen den Nutzen.
In einer Gangschule zeigt Ihnen die Physiotherapie, wie Sie mit der Gehhilfe gehen, ohne den Rücken schief zu halten. Auch Rollatoren und Gehgestelle können die Gelenke entlasten und das Gehen leichter machen.
Welche Schmerzmittel bei Hüftarthrose infrage kommen
Reichen Training und Gehhilfe nicht, kommen entzündungshemmende Schmerzmittel infrage. Dazu gehören Wirkstoffe wie Diclofenac und Naproxen sowie eine eigene Untergruppe, die Coxibe, etwa Celecoxib. Alle wirken ähnlich gut gegen Schmerz und Entzündung. Sie unterscheiden sich aber darin, wie stark sie Magen, Nieren und Herz belasten.
Die Fachleute raten, diese Mittel so niedrig dosiert und so kurz wie möglich zu nehmen. Sie gehören in die Zeit, in der die Schmerzen stark sind, und nicht in eine Dauereinnahme.
- Nehmen Sie das Schmerzmittel in Phasen mit starken Schmerzen, nicht durchgehend.
- Ab 60 Jahren gehört ein Magenschutz dazu, also ein Mittel, das die Magensäure senkt.
- Bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße dürfen Sie keine Coxibe nehmen. Auch die anderen Mittel erhöhen dann das Risiko für Herz und Kreislauf.
- Vertragen Sie diese Mittel nicht oder dürfen Sie sie nicht nehmen, kann Metamizol für kurze Zeit eine Alternative sein. Vorher muss die Praxis Sie über die Risiken aufklären.
- Sprechen Sie vorher über Ihre Nierenwerte und Ihre anderen Erkrankungen. Während der Einnahme soll die Praxis Magen, Herz, Nieren und Leber im Blick behalten.
Für Spritzen ins Hüftgelenk fehlen gute Studien
Spritzen mit Kortison, Hyaluronsäure oder Eigenblut (PRP) ins Hüftgelenk sind kaum untersucht. Es gibt nur wenige, kleine Studien, und die sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Die Fachleute für die Hüfte geben deshalb kein eigenes Urteil ab und verweisen auf die Empfehlungen zum Knie.
Am Knie schlagen die Fachleute Kortison für kurze Zeit vor. Zu Hyaluronsäure geben sie dort keine Empfehlung. Eigenblut kann man erwägen, wenn andere Mittel nicht passen oder nicht wirken.
Eine Lösung auf Dauer sind Kortisonspritzen nicht. Wiederholte Spritzen können den Knorpel langfristig schwächen, und jede Spritze kann Nebenwirkungen haben, selten auch eine Infektion. Darauf weist das unabhängige Gesundheitsportal gesundheitsinformation.de hin.
Akupunktur und pflanzliche Mittel bei Hüftarthrose
Akupunktur kann zusätzlich zur üblichen Behandlung die Funktion des Gelenks und die Lebensqualität verbessern. Diese Empfehlung trug die Mehrheit der Fachleute mit, aber nicht alle.
Für pflanzliche Mittel reichen die Studien nicht für eine allgemeine Empfehlung. Für Weidenrinde mit 240 Milligramm Salizin am Tag sprechen Studien mit mäßiger Sicherheit für eine Wirkung bei Schmerzen an Muskeln, Knochen und Gelenken. Bei Avocado-Soja-Extrakt zeigten gute Studien nach 1 und nach 3 Jahren keinen Unterschied zu einem Scheinmittel. Nehmen Sie solche Mittel nicht auf eigene Faust, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin.
| Mittel | Was die Studien zeigen |
|---|---|
| Weidenrinde, 240 Milligramm Salizin am Tag | mäßig sichere Hinweise auf eine Wirkung bei Schmerzen an Muskeln, Knochen und Gelenken |
| Teufelskralle | von der europäischen Arzneimittelbehörde nur als traditionelles Mittel bei leichten Gelenkschmerzen eingestuft, ohne Wirkungsnachweis durch Studien |
| Avocado-Soja-Extrakt | nach 1 und nach 3 Jahren kein Unterschied zu einem Scheinmittel |
| Cannabis | keine Studie zur Hüftarthrose, wegen möglicher Nebenwirkungen auf das Nervensystem nicht empfohlen |
Ob Abnehmen bei Hüftarthrose hilft, ist kaum untersucht
Übergewicht erhöht das Risiko, an Hüft- oder Kniearthrose zu erkranken. Abnehmen zusammen mit Bewegung gilt deshalb allgemein als wichtiger Teil der Behandlung. Für die Hüfte selbst gibt es aber wenige Studien. Die Fachleute geben deshalb keine eindeutige Empfehlung, weder für die Behandlung ohne OP noch für die Zeit vor einer Operation.
Vor dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks wird Abnehmen oft empfohlen. Klare Belege dafür fehlen, und Abnehmen vor dem Eingriff kann sogar mit einem höheren Infektionsrisiko einhergehen. Sinnvoll finden die Fachleute Programme, die Ernährung und Bewegung verbinden und Ihnen helfen, im Alltag mit der Arthrose zurechtzukommen.
Wann eine Hüftprothese infrage kommt
Wie stark eine Hüftarthrose Sie einschränkt, zeigt das Röntgenbild nur zum Teil. Die Veränderungen im Bild passen nicht immer zu Ihren Beschwerden und zum Befund bei der Untersuchung. Deshalb zählt bei der Entscheidung auch, wie sehr Sie im Alltag und im Beruf leiden.
Ob Sie sich operieren lassen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin. Dabei besprechen Sie, was Sie von der Operation erwarten, wie Vorbereitung und Nachsorge aussehen und was sich im Alltag ändert.
Vor einem künstlichen Hüftgelenk haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine Zweitmeinung vor der Hüft-OP. Ihre Ärztin muss Sie darauf in der Regel mindestens 10 Arbeitstage vor dem geplanten Eingriff hinweisen. Die Zweitmeinung holen Sie bei einer anderen Ärztin oder Klinik ein, nicht bei der, die operieren soll.
Trainieren Sie schon länger regelmäßig nach Plan?
Schränken die Schmerzen Ihren Alltag trotzdem deutlich ein?
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin über ein künstliches Hüftgelenk. Vorher steht Ihnen eine Zweitmeinung zu.
Dann reicht die Behandlung ohne OP aus. Bleiben Sie dabei und lassen Sie den Verlauf regelmäßig kontrollieren.
Beginnen Sie zuerst mit angeleitetem Training. Das ist der wichtigste Schritt vor jeder Operation.
Künstliche Hüftgelenke halten meist lange. Wie lange Knie- und Hüftprothesen halten, misst das deutsche Register für künstliche Gelenke. Dort mussten bei Hüftarthrose 3,6 Prozent der ohne Knochenzement eingesetzten Hüftprothesen innerhalb von 5 Jahren erneut operiert werden, innerhalb von 10 Jahren 4,5 Prozent.
Häufige Fragen
Was hilft bei Hüftarthrose ohne Operation?
Bei Hüftarthrose ohne Operation steht Bewegungstherapie im Mittelpunkt, also Kraft- und Ausdauertraining, erst angeleitet und dann allein. Übungen im Bewegungsbad, eine Schulung zum Umgang mit der Arthrose und ein Gehstock auf der gesunden Seite kommen dazu. Reicht das nicht, kommen entzündungshemmende Schmerzmittel für kurze Zeit dazu.
Wie oft pro Woche sollte ich bei Hüftarthrose trainieren?
Bei Hüftarthrose empfehlen die Fachleute Ausdauertraining an 3 bis 5 Tagen pro Woche, je 20 bis 90 Minuten. Krafttraining kommt an 2 bis 3 Tagen dazu, mit 2 bis 4 Durchgängen je Muskelgruppe. Dehnen Sie ebenfalls an 2 bis 3 Tagen, etwa 60 Sekunden je Muskelgruppe.
Auf welcher Seite trage ich den Gehstock bei Hüftarthrose?
Bei Hüftarthrose tragen Sie den Gehstock auf der gesunden Seite, also gegenüber der kranken Hüfte. So entlastet er das kranke Gelenk am stärksten. Wie Sie damit gehen, ohne den Rücken schief zu halten, zeigt Ihnen eine Gangschule in der Physiotherapie.
Helfen Spritzen ins Hüftgelenk bei Arthrose?
Ob Spritzen ins Hüftgelenk bei Arthrose helfen, ist kaum untersucht, weil es nur wenige kleine Studien gibt. Die Fachleute verweisen deshalb auf die Regeln zum Knie, wo Kortison für kurze Zeit vorgeschlagen wird. Wiederholte Kortisonspritzen können den Knorpel langfristig schwächen.
Muss ich vor einer Hüftprothese abnehmen?
Eine klare Empfehlung zum Abnehmen vor einer Hüftprothese gibt es nicht, weil die Studien dafür nicht ausreichen. Abnehmen vor dem Eingriff kann sogar mit einem höheren Infektionsrisiko einhergehen. Übergewicht bleibt aber ein Risiko für die Arthrose, deshalb gehören Ernährung und Bewegung zur Behandlung.
Welche pflanzlichen Mittel helfen bei Hüftarthrose?
Für pflanzliche Mittel bei Hüftarthrose reichen die Studien nicht für eine allgemeine Empfehlung. Am ehesten spricht etwas für Weidenrinde mit 240 Milligramm Salizin am Tag. Avocado-Soja-Extrakt war in guten Studien nicht besser als ein Scheinmittel, und Cannabis empfehlen die Fachleute nicht.
