Woran Sie eine Spinalkanalstenose im Alltag erkennen
Bei einer Spinalkanalstenose ist der Wirbelkanal verengt, durch den die Nerven laufen. Beim Gehen und Stehen schmerzen Rücken und Beine. Dazu kommen Kribbeln, Taubheit, Schwäche oder ein Schweregefühl in den Beinen, und die Gehstrecke wird kürzer. Schwere bleibende Lähmungen sind selten. Etwa 87 Prozent der Betroffenen haben zusätzlich tiefsitzende Kreuzschmerzen.
Typisch ist, dass die Haltung die Beschwerden steuert. Beim Bergabgehen und beim längeren Stehen rutscht das Kreuz ins Hohlkreuz, der Kanal wird enger und die Beschwerden nehmen zu. Beugen Sie sich nach vorn, wird der Kanal weiter. Viele Betroffene gehen deshalb vornübergebeugt und fahren längere Strecken lieber mit dem Rad, oft über Stunden ohne Beschwerden.
Genau das unterscheidet die Spinalkanalstenose von der Schaufensterkrankheit, einer Durchblutungsstörung der Beine. Bei ihr bessert sich der Schmerz schon im Stehen, und Radfahren schmerzt ebenfalls. Ähnliche Beschwerden können auch eine Erweiterung der Bauchschlagader, Schäden an den Nerven der Beine, Multiple Sklerose und Muskelerkrankungen machen. Deshalb lässt sich die Diagnose nicht allein aus den Beschwerden stellen.
Vier Merkmale sprechen nach den Studien für eine Spinalkanalstenose. Je mehr davon zutrifft, desto eher lohnt sich ein Termin beim Facharzt.
- Die Betroffenen sind meist älter.
- Die Beine schmerzen bei Belastung.
- Stehen und Gehen verschlimmern die Beschwerden.
- Vorbeugen erleichtert, Zurückbeugen verschlimmert.
Welche Untersuchung zeigt eine Spinalkanalstenose?
Bei Verdacht empfehlen die Fachleute ein MRT, bei Bedarf ergänzt durch ein Röntgenbild im Stehen. Besteht der Verdacht, dass ein Wirbel instabil ist, kommen Röntgenbilder beim Vor- und Zurückbeugen dazu. Dieser Empfehlung stimmten alle beteiligten Fachleute zu.
Das MRT gilt als Standard, weil es ohne Strahlung und ohne Eingriff auskommt. Wie eng der Kanal im Bild aussieht, sagt aber wenig darüber, wie stark Ihre Beschwerden sind. Ein Röntgenbild im Stehen zeigt manches, was im Liegen verschwindet, etwa einen Wirbel, der nach vorn gleitet und im Liegen zurückrutscht.
Was Übungen, Spritzen und Medikamente bei Spinalkanalstenose bringen
Die Behandlung ohne Operation ist bei einer Spinalkanalstenose der erste Weg, weil schwere Lähmungen selten sind und sich meist langsam entwickeln. Die Fachleute raten zu diesem Versuch, obwohl ein dauerhafter Erfolg für Medikamente, Physiotherapie, Rückenstützen und Spritzen wenig belegt ist. Wichtig ist, den Erfolg dabei regelmäßig zu prüfen.
Diese Kontrolle können Sie selbst übernehmen. Messen Sie Ihre Gehstrecke in Metern oder Minuten, immer auf derselben Strecke, und notieren Sie sie alle zwei Wochen. So wird aus einem Gefühl eine Zahl, und eine spätere Entscheidung stützt sich auf Ihren Verlauf.
Die Studien messen sehr unterschiedliche Wirkzeiten. Spritzen lindern die Beschwerden über 2 Wochen bis 6 Monate. Kortison in der Spritze brachte nur nach 3 Wochen einen Vorteil, nach 6 und 12 Wochen nicht mehr. Akupunktur wurde mit 24 Behandlungen über 8 Wochen geprüft.
| Behandlung | Was Studien zeigen | Wie lange die Wirkung hält |
|---|---|---|
| Übungen und Physiotherapie | Programme aus Handgriffen, Schulung und Übungen, die auch den Umgang mit dem Schmerz trainieren, bessern Beschwerden und Alltag stärker als Medikamente, Gruppen oder Übungen allein zu Hause | zumindest kurzfristig |
| Medikamente wie Gabapentin, Calcitonin oder Prostaglandine | nur schwache Belege für eine Wirkung | nicht belegt |
| Spritze in den Wirbelkanal | lindert Beschwerden vor allem kurzfristig. Kortison zusätzlich zum Betäubungsmittel half nach 3 Wochen, nach 6 und 12 Wochen und nach 12 Monaten nicht mehr | 2 Wochen bis 6 Monate |
| Rückenstütze, die das Hohlkreuz verringert | vielversprechend, die Wirkung hält aber nicht an | vorübergehend |
| Akupunktur | 24 Behandlungen über 8 Wochen brachten in einer Studie schneller Erholung und weniger Schmerz als eine Schein-Akupunktur | im Zeitraum der Studie |
Klären Sie vor einer Spritze, wer sie bezahlt. Kortison ist für Spritzen in den Wirbelkanal nicht zugelassen, deshalb zahlt die Kasse eine Kortisonspritze am Rücken in der Regel nicht. Halten die Schmerzen über Monate an und bestimmen Ihren Alltag, kommt eine multimodale Schmerztherapie infrage.
Wann eine Operation am Wirbelkanal infrage kommt
Ob operiert wird, hängt nicht vom Bild ab, sondern davon, wie sehr Sie leiden. Die Fachleute raten, eine Operation zu erwägen, wenn die Behandlung ohne Operation Ihnen keine zufriedenstellende Lebensqualität bringt. Rasch operiert wird bei deutlichen Lähmungen, die bei einer Spinalkanalstenose aber selten sind.
Bei der Operation erweitert die Chirurgin den eingeengten Kanal. Die Fachleute bevorzugen schonende Verfahren, bei denen Wirbelgelenke und Dornfortsatz in der Mitte des Rückens erhalten bleiben. Sie bessern die Beschwerden tendenziell stärker und führen seltener zu Rückenschmerz und Instabilität danach. Eine Operation mit dem Endoskop ist eine Alternative.
Von einer routinemäßigen zusätzlichen Versteifung raten die Fachleute ab. Patienten profitieren mit und ohne Versteifung gleich, die Versteifung bringt aber eine längere Operation und mehr Blutverlust. Nur wenn ein Wirbel nachweislich instabil ist, wird zusätzlich stabilisiert. Auch von Spreizern zwischen den Dornfortsätzen als Standard raten die Fachleute ab, denn schon nach 6 Monaten kehren bei der Hälfte der Patienten die Beschwerden zurück oder nehmen zu.
Nach der Operation entscheidet die Physiotherapie mit
Physiotherapie nach der Operation bessert, wie gut Sie im Alltag zurechtkommen, und lindert Bein- und Rückenschmerz. Die Fachleute raten deshalb einstimmig dazu. Welche Technik am besten ist, lässt sich nicht sagen. In einer Studie unterschieden sich stabilisierende Übungen und gemischte Techniken nach zwei Jahren nicht.
Eine Auswertung von 3 Studien mit 340 Patienten zeigt den Wert einer aktiven Reha. Zwölf Monate nach dem Eingriff war sie dem bloßen Rat, aktiv zu bleiben, im Alltag sowie bei Bein- und Rückenschmerz überlegen. Beim allgemeinen Gesundheitszustand zeigte sich kein Unterschied.
Beschwerden einordnen
Die Praxis fragt nach Gehstrecke, Haltung und Warnzeichen und prüft Kraft, Reflexe und Gefühl. Dabei achtet sie auch auf Durchblutungsstörungen der Beine.
Behandlung ohne Operation
Sie machen Übungen und bekommen Schmerzmittel, bei Bedarf eine Rückenstütze oder eine Spritze. Ihre Gehstrecke messen Sie regelmäßig.
Bilanz nach Wochen bis Monaten
Bleibt Ihr Alltag trotz konsequenter Behandlung stark eingeschränkt, besprechen Sie eine Operation. Neue Lähmungen lassen Sie sofort untersuchen.
Operation und Nachbehandlung
Die Chirurgin erweitert den Kanal schonend und versteift nur bei Instabilität. Danach folgen Physiotherapie und aktive Reha.
6 Fragen vor einer Operation am Wirbelkanal
Vor einer planbaren Operation an der Wirbelsäule haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine unabhängige Zweitmeinung. Die Erweiterung des Wirbelkanals gehört ausdrücklich dazu.
- Fragen Sie, auf welcher Höhe der Wirbelsäule die Enge liegt und ob sie in der Mitte, seitlich oder am Austritt des Nervs sitzt.
- Fragen Sie, was die Operation bessern soll, die Gehstrecke, den Beinschmerz oder den Kreuzschmerz.
- Fragen Sie, ob schonend erweitert oder der Dornfortsatz entfernt werden soll, und warum.
- Fragen Sie, ob zusätzlich versteift werden soll, und lassen Sie sich die Zeichen einer Instabilität im Bild zeigen.
- Legen Sie Ihre Aufzeichnung der Gehstrecke vor.
- Nehmen Sie sich die 10 Arbeitstage für eine Zweitmeinung, bevor Sie den Operationstermin vereinbaren.
Haben Sie neue oder zunehmende Lähmungen oder Schmerzen, die Sie nicht mehr aufstehen lassen?
Lassen Sie das sofort untersuchen. Bei deutlichen Lähmungen wird rasch operiert.
Kommen Sie mit der Behandlung ohne Operation im Alltag zufriedenstellend zurecht?
Dann geht die Behandlung weiter, mit regelmäßiger Kontrolle. Halten Sie Ihre Gehstrecke fest.
Haben Sie Übungen, Schulung, Schmerzmittel und bei Bedarf eine Spritze konsequent ausprobiert?
Jetzt kommt eine Operation infrage. Holen Sie vorher eine Zweitmeinung ein und klären Sie, ob versteift werden soll.
Vervollständigen Sie zuerst die Behandlung ohne Operation. Messen Sie dabei regelmäßig Ihre Gehstrecke.
Häufige Fragen
Muss eine Spinalkanalstenose operiert werden?
Eine Spinalkanalstenose muss nicht zwingend operiert werden. Ohne Lähmung beginnen die Ärzte mit Übungen, Schulung, Schmerzmitteln und bei Bedarf einer Rückenstütze oder Spritze. Eine Operation kommt infrage, wenn diese Behandlung Ihnen keine zufriedenstellende Lebensqualität bringt.
Wie unterscheidet sich eine Spinalkanalstenose von der Schaufensterkrankheit?
Bei einer Spinalkanalstenose bessern sich die Beinbeschwerden beim Vorbeugen und beim Radfahren, Stehen bringt keine Erleichterung. Bei der Schaufensterkrankheit, einer Durchblutungsstörung der Beine, lässt der Schmerz schon im Stehen nach, und Radfahren schmerzt ebenso wie Gehen. Weil sich beide ähneln, prüft die Ärztin Durchblutung und Nerven.
Welche Untersuchung braucht es bei Verdacht auf Spinalkanalstenose?
Bei Verdacht auf eine Spinalkanalstenose empfehlen die Fachleute ein MRT, bei Bedarf ergänzt durch ein Röntgenbild im Stehen. Bei Verdacht auf einen instabilen Wirbel kommen Röntgenbilder beim Vor- und Zurückbeugen dazu. Wie eng der Kanal im Bild aussieht, sagt wenig über die Stärke der Beschwerden.
Wie lange wirkt eine Spritze bei Spinalkanalstenose?
Eine Spritze bei Spinalkanalstenose wirkt in Studien zwischen 2 Wochen und 6 Monaten. Kortison in der Spritze brachte nur nach 3 Wochen einen Vorteil, nach 6 und 12 Wochen nicht mehr. Ob wiederholte Spritzen länger wirken, ist nicht geklärt.
Was bringt Physiotherapie nach einer Operation an der Spinalkanalstenose?
Physiotherapie nach einer Operation an der Spinalkanalstenose bessert den Alltag und lindert Bein- und Rückenschmerz, darin sind sich die Fachleute einig. In einer Auswertung von 3 Studien mit 340 Patienten war aktive Reha nach zwölf Monaten dem bloßen Rat, aktiv zu bleiben, überlegen. Welche Technik am besten ist, ist offen.
