Warum beim Vereinssport die Krankenkasse zahlt
Die gesetzliche Unfallversicherung schützt nur Tätigkeiten, die das Gesetz ausdrücklich nennt. Das sind vor allem die Arbeit, der Arbeitsweg, Kita, Schule und Hochschule. Sport in der Freizeit gehört nicht dazu, auch nicht Training und Wettkampf als Mitglied eines Sportvereins.
Für Sportvereine ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft zuständig. Sie nennt den Sport von Amateuren, die dafür kein oder zu wenig Geld bekommen, ausdrücklich eine unversicherte Freizeitbeschäftigung.
Deshalb zahlt Ihre Krankenkasse die Behandlung, mit denselben Leistungen wie bei jeder anderen Verletzung. Sie zeigen in der Praxis Ihre Versichertenkarte, und es gelten die üblichen Zuzahlungen. Kürzen darf die Kasse nur in Ausnahmen, etwa wenn Sie sich absichtlich oder bei einer vorsätzlichen Straftat verletzt haben. Eine Verletzung beim Sport gehört nicht dazu.
Bezahlte Spieler sind dagegen versichert, wenn sie mehr als 275 Euro netto im Monat bekommen und mindestens 13,90 Euro brutto je Stunde.
| Wobei der Unfall passiert | Wer zahlt | Warum |
|---|---|---|
| Joggen, Skifahren oder Fitnessstudio in der Freizeit | Krankenkasse | Freizeitsport ist nicht versichert |
| Training oder Punktspiel im Verein ohne Bezahlung | Krankenkasse | Die Berufsgenossenschaft wertet es als Freizeit |
| Vertragsspieler mit mehr als 275 Euro netto im Monat und mindestens 13,90 Euro je Stunde | Verwaltungs-Berufsgenossenschaft | Bezahlter Sport zählt als Arbeit |
| Vorstand oder anderes gewähltes Ehrenamt im Sportverein | Berufsgenossenschaft, nur mit freiwilliger Versicherung | Die Versicherung muss vor dem Unfall beantragt sein |
| Regelmäßiger Betriebssport zum Ausgleich, organisiert vom Arbeitgeber | Berufsgenossenschaft des Arbeitgebers | Er gehört zur versicherten Arbeit |
| Fußballturnier zwischen Betriebsteams | In der Regel die Krankenkasse | Der Wettkampf steht im Vordergrund |
| Kurs im Hochschulsport mit Anmeldung | Unfallversicherung des Landes | Studierende sind dort versichert |
Diese 4 Sportunfälle zahlt die Unfallversicherung
In vier Fällen ist Sport versichert. Dann gehen Sie nach dem Unfall zum Durchgangsarzt nach einem Unfall, wie nach einem Arbeitsunfall. Das ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit besonderer Zulassung der Unfallversicherung.
- Bezahlte Sportlerinnen und Sportler sind versichert, wenn sie in jedem Monat mehr als 275 Euro netto bekommen. Für Training und Wettkampf müssen es mindestens 13,90 Euro brutto je Stunde sein. Diese Grenzen gelten seit dem 1. Juli 2026, und die frühere Altersgrenze von 16 Jahren ist weggefallen.
- Betriebssport ist versichert, wenn er regelmäßig stattfindet, als Ausgleich zur Arbeit dient und vom Unternehmen organisiert wird. Teilnehmen müssen im Wesentlichen Beschäftigte des Betriebs. Der Weg dorthin ist mitversichert.
- Studierende sind im Hochschulsport versichert, wenn sie voll eingeschrieben und ordnungsgemäß angemeldet sind. Das gilt für die offiziellen Kurse des Hochschulsports.
- Gewählte oder beauftragte Ehrenamtliche eines gemeinnützigen Sportvereins können sich freiwillig bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft versichern. Den Antrag kann auch der Verein stellen oder ein Verband wie der Landessportbund.
Beim Betriebssport endet der Schutz, sobald der Wettkampf im Vordergrund steht. Das gilt etwa für ein Fußballturnier von Betriebsmannschaften oder eine mehrtägige Skifreizeit. Das Bundessozialgericht hat 2024 einem Lagerarbeiter den Schutz für ein internes Fußballturnier versagt. Dem Turnier fehlten der Ausgleich zur Arbeit und die Regelmäßigkeit. Anders kann es sein, wenn ein Unternehmen ein Turnier gezielt als Werbung vor Publikum nutzt.
Kinder und Jugendliche sind beim Sportunterricht versichert, denn er gehört zur Schule. Wie Eltern nach einem Unfall in Schule oder Kita vorgehen, unterscheidet sich deshalb vom Vereinssport.
Was Sie nach einem Sportunfall erledigen
Was Sie tun, hängt davon ab, ob einer der vier versicherten Fälle vorliegt. Die meisten Schritte gelten aber für beide Wege.
- Lassen Sie die Verletzung in einer Praxis versorgen, oder in der Notaufnahme, wenn es nicht warten kann.
- Sagen Sie in der Praxis, wenn der Unfall beim Betriebssport, im Hochschulsport oder als bezahlter Sportler passiert ist. Dann führt der Weg zum Durchgangsarzt, und die Unfallversicherung zahlt.
- Beim Freizeit- und Vereinssport zeigen Sie Ihre Versichertenkarte wie bei jeder anderen Behandlung.
- Melden Sie einen Unfall im Hochschulsport dem Sekretariat der Hochschule oder der Stelle, die sie dafür nennt.
- Füllen Sie den Unfallfragebogen Ihrer Krankenkasse vollständig aus, auch wenn niemand sonst beteiligt war.
- Lassen Sie sich krankschreiben und melden Sie das sofort Ihrem Arbeitgeber.
Neben der gesetzlichen Versicherung gibt es private Absicherungen. 15 Landessportbünde und Landessportverbände haben für die Mitglieder ihrer Vereine eine Sportversicherung bei der ARAG abgeschlossen. Sie enthält nach Angaben des Versicherers eine Unfallversicherung mit Hilfe bei der Reha und eine Haftpflichtversicherung. Der Umfang ist aber nicht in allen Ländern gleich. Was eine private Unfallversicherung nach einem Sportunfall leistet und kostet, erklärt unfallversicherung-kosten.de.
Wozu nach dem Sportunfall der Unfallfragebogen dient
Nach der Behandlung einer Verletzung bekommen viele Versicherte Post von ihrer Krankenkasse. Darin fragt die Kasse, wie es zu der Verletzung kam. Praxen und Krankenhäuser müssen der Kasse Hinweise auf einen Unfall melden, auch auf einen möglichen Verursacher. Die Techniker Krankenkasse schreibt dazu, sie sei gesetzlich verpflichtet, die Ursache einer Verletzung herauszufinden.
Mit dem Fragebogen klärt die Kasse, ob doch ein Arbeitsunfall vorliegt und die Unfallversicherung zahlen muss. Außerdem prüft sie, ob ein anderer den Schaden verursacht hat. Dann geht Ihr Anspruch auf Schadenersatz gegen ihn auf die Kasse über, soweit sie Ihre Behandlung bezahlt. Sie holt sich das Geld dann bei der Haftpflichtversicherung des Gegenspielers zurück.
Bis zu 6 Wochen Lohn nach einer Sportverletzung
Fallen Sie nach einem Sportunfall aus, zahlt Ihr Arbeitgeber den Lohn bis zu sechs Wochen weiter. Das gilt, wenn Sie die Verletzung nicht selbst verschuldet haben und Ihr Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld.
Selbst verschuldet heißt dabei mehr als unvorsichtig. Das Bundesarbeitsgericht meint damit einen groben Verstoß gegen das, was ein vernünftiger Mensch im eigenen Interesse tun würde. Gerichte haben Verletzungen beim Amateurfußball, Skifahren, Karate, Inlineskaten oder Fallschirmspringen nicht als verschuldet gewertet. Voraussetzung war, dass die Sportart nach den Regeln und mit der passenden Ausrüstung ausgeübt wurde. Beim Kickboxen haben Gerichte dagegen schon die gefährliche Sportart als Verschulden gesehen.
Besteht Ihr Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen?
Haben Sie nach den Regeln und mit passender Ausrüstung Sport getrieben?
War es eine besonders gefährliche Sportart wie Kickboxen?
Ihr Arbeitgeber darf die Lohnzahlung verweigern. Dann zahlt die Krankenkasse Krankengeld.
Ihr Arbeitgeber zahlt bis zu sechs Wochen weiter. Danach folgt das Krankengeld der Krankenkasse.
Ein grober Regelverstoß oder falsche Ausrüstung können als Verschulden zählen. Dann kann die Lohnzahlung entfallen.
In den ersten vier Wochen zahlt der Arbeitgeber noch nicht weiter. Die Krankenkasse zahlt Krankengeld, wenn Sie Anspruch darauf haben.
Häufige Fragen
Zahlt die Berufsgenossenschaft einen Unfall beim Vereinsfußball?
Nein, einen Unfall beim Vereinsfußball zahlt die Berufsgenossenschaft nicht, wenn Sie ohne Bezahlung spielen. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft wertet das als Freizeit, und Ihre Krankenkasse zahlt die Behandlung. Versichert sind nur Spieler, die mehr als 275 Euro netto im Monat bekommen.
Ist ein Unfall beim Betriebssport ein Arbeitsunfall?
Ja, ein Unfall beim Betriebssport ist ein Arbeitsunfall, wenn der Sport regelmäßig stattfindet und als Ausgleich zur Arbeit dient. Das Unternehmen muss ihn organisieren, und es müssen im Wesentlichen Beschäftigte teilnehmen. Ein Firmenturnier, bei dem der Wettkampf zählt, ist in der Regel nicht versichert.
Muss ich den Unfallfragebogen der Krankenkasse nach einem Sportunfall ausfüllen?
Ja, den Unfallfragebogen der Krankenkasse sollten Sie vollständig ausfüllen, auch wenn niemand sonst beteiligt war. Die Kasse prüft damit, ob ein Arbeitsunfall vorliegt oder ob ein anderer für den Schaden haftet. Ihre Behandlung zahlt sie in jedem Fall weiter.
Bekomme ich nach einer Sportverletzung Lohnfortzahlung?
Ja, nach einer Sportverletzung zahlt Ihr Arbeitgeber bis zu sechs Wochen weiter, wenn Ihr Arbeitsverhältnis seit vier Wochen besteht. Sie dürfen die Verletzung aber nicht grob selbst verschuldet haben. Fußball oder Skifahren nach den Regeln gelten nicht als Verschulden, Kickboxen haben Gerichte dagegen als Verschulden gewertet.
Sind Studierende beim Hochschulsport unfallversichert?
Ja, Studierende sind beim Hochschulsport gesetzlich unfallversichert, wenn sie voll eingeschrieben und ordnungsgemäß angemeldet sind. Der Schutz gilt in den offiziellen Kursen des Hochschulsports, nicht für private Aktivitäten auf dem Gelände. Den Unfall melden Sie dem Sekretariat der Hochschule.
