Beim Tennisarm ist die Sehne am Ellenbogen überlastet
Beim Tennisarm schmerzt die Außenseite des Ellenbogens. Dort setzen die Muskeln an, die das Handgelenk strecken. Nach der deutschen Behandlungsempfehlung von 2019 entsteht der Tennisarm durch Verschleiß. Überlastung und viele kleine Verletzungen lassen die Sehne an ihrem Ansatz nicht richtig ausheilen. Entzündungszellen finden Ärzte im Gewebe dort nicht.
Nach der Behandlungsempfehlung erkranken 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Typisch sind Schmerzen nach ungewohnter oder zu starker Belastung, und ein kräftiger Händedruck tut weh. Diese Umstände erhöhen das Risiko:
- Sie wiederholen dieselben Bewegungen mindestens zwei Stunden am Tag, etwa beim Tennis oder am Musikinstrument.
- Sie heben oder tragen Lasten über 20 Kilogramm.
- Sie sind zwischen 45 und 54 Jahre alt.
- Sie rauchen oder haben Übergewicht.
- Ihr Arm wird im Beruf oder beim Sport stark belastet.
Die Diagnose stellt die Ärztin vor allem durch die Untersuchung. Ein Röntgenbild kann beim ersten Termin sinnvoll sein. Halten die Beschwerden länger als sechs Monate an, soll geröntgt werden. Dann raten die Fachleute auch zu einer Kernspintomografie, kurz MRT, um den Schaden an der Sehne zu beurteilen.
Ein Tennisarm klingt meist binnen zwei Jahren ab
Ein Tennisarm klingt meist auch ohne gezielte Behandlung ab, innerhalb von bis zu zwei Jahren. Die akute Schmerzphase dauert 6 bis 12 Wochen. Ärzte unterscheiden einen akuten Tennisarm bis sechs Monate von einem chronischen, der länger dauert.
Wie weit das trägt, zeigt eine niederländische Studie von 2002 mit 185 Patienten. Sie wurden per Los einer Kortisonspritze, Physiotherapie oder dem Abwarten zugeteilt. Nach einem Jahr meldeten 83 Prozent der Abwartenden einen Erfolg, 91 Prozent mit Physiotherapie und 69 Prozent mit Kortison. Auch in einer australischen Studie von 2006 mit 198 Patienten meldeten nach einem Jahr die meisten mit Physiotherapie oder Abwarten einen Erfolg.
Manche Verläufe dauern länger. Diese Zeichen sprechen für einen schwereren Verlauf:
- Die Beschwerden kommen wieder.
- Sie arbeiten körperlich oder mit einseitiger Handarbeit.
- Sie haben zusätzlich Nackenschmerzen.
- Sie haben Phasen von Depression.
- Die Beschwerden bestehen seit mehr als drei Monaten.
- Die Schmerzen sind beim ersten Arztbesuch stark.
Für die meisten Tennisarm-Behandlungen fehlen gute Studien
Für den Tennisarm gibt es viele Behandlungen, aber nur wenige gute Studien. Die Fachgesellschaften nennen das ausdrücklich als Grund für ihre neue Behandlungsempfehlung. Ein Beispiel ist die Kortisonspritze. Sie wirkte in Studien nach 6 Wochen deutlich, doch in einer Studie hatten 54 Prozent innerhalb eines Jahres einen Rückfall.
| Behandlung | Was Empfehlung und Studien zeigen | Was das für Sie heißt |
|---|---|---|
| Training, das die Streckmuskeln am Unterarm langsam stärker belastet | Die Fachleute empfehlen es, Physiotherapie half am Anfang schneller als Abwarten | Sollte zu jeder Behandlung gehören |
| Kortisonspritze | Nach 6 Wochen deutlich besser, nach einem Jahr schlechter als eine Scheinspritze, Rückfall bei 54 Prozent | Keine dauerhafte Besserung, Komplikationen möglich |
| Schmerzmittel wie Ibuprofen in Phasen | Können die akuten Beschwerden lindern | Möglich, in Absprache mit Ihrer Ärztin |
| Eigenblut, Hyaluronsäure, Botulinumtoxin | Zu wenige Studien für oder gegen den Einsatz | Noch keine abschließende Bewertung möglich |
| Stoßwellentherapie | Möglich bei hartnäckigen Beschwerden | Keine Kassenleistung, Sie zahlen selbst |
| Bandage oder Unterarmspange | Kann man versuchen, ein Beweis für die Wirkung fehlt | Möglich, aber ohne Beleg |
| Handgriffe der Physiotherapie am Gelenk, Strom oder Ultraschall allein | Sollen nicht als einzige Behandlung eingesetzt werden | Nicht als einzige Behandlung |
Die Kortisonspritze verdient einen genaueren Blick, weil Ärzte sie oft geben. In der niederländischen Studie hatten nach sechs Wochen 92 Prozent der Patienten mit Spritze einen Erfolg, mit Physiotherapie 47 Prozent und mit Abwarten 32 Prozent. Dieser Vorsprung kehrte sich später um. In der australischen Studie fielen 47 von 65 zunächst erfolgreichen Patienten mit Spritze wieder zurück. Eine Studie von 2013 verglich Kortison mit einer Scheinspritze ohne Wirkstoff. Nach einem Jahr waren mit Kortison 83 Prozent beschwerdefrei oder deutlich gebessert, mit Scheinspritze 96 Prozent.
Physiotherapie wirkt vor allem am Anfang. In der Studie von 2013 ging es nach vier Wochen 39 Prozent mit Physiotherapie und Scheinspritze deutlich besser, mit Scheinspritze allein 10 Prozent. Nach einem Jahr lagen die Gruppen mit und ohne Physiotherapie bei 91 und 88 Prozent. Die Stoßwellentherapie beim Tennisarm zahlt die Kasse nicht, Sie zahlen sie selbst. Wie Physiotherapie auf Rezept abläuft, erklärt physiotherapeuten-verzeichnis.de.
Eine Tennisarm-Operation ist erst nach 6 Monaten Thema
Eine Operation ist beim Tennisarm die Ausnahme. Die Behandlungsempfehlung legt fest, dass der akute Tennisarm ohne Operation behandelt werden soll, weil er sehr oft von selbst abklingt. Ärzte sollen eine Operation nur Patienten anbieten, denen eine konsequente Behandlung ohne Operation nicht geholfen hat. Außerdem muss ein Schaden an der Sehne nachweisbar sein. Besprechen lässt sich eine Operation frühestens nach sechs Monaten erfolgloser Behandlung.
Welches Verfahren das beste ist, lässt die Empfehlung offen. Sie bevorzugt weder die offene Operation noch die Spiegelung und nennt keinen besten Zeitpunkt. Eine kleine Studie von 2018 verglich bei 26 Patienten die übliche Operation mit einer Scheinoperation. Bei der üblichen Operation entfernt der Chirurg das geschädigte Sehnengewebe, bei der Scheinoperation legte er die Sehne nur frei. Beiden Gruppen ging es danach deutlich besser, einen Unterschied fanden die Autoren nicht.
Haben Sie seit mindestens sechs Monaten Beschwerden, trotz konsequenter Behandlung?
Zeigt das MRT einen Schaden an der Sehne, der zu Ihren Beschwerden passt?
Dann kann eine Operation besprochen werden. Fragen Sie auch nach der Studie, in der die Operation nicht besser abschnitt als eine Scheinoperation.
Ohne nachweisbaren Schaden sieht die Empfehlung keine Operation vor. Lassen Sie andere Ursachen prüfen, etwa an der Halswirbelsäule.
Eine Operation kommt noch nicht infrage. Setzen Sie auf Training und darauf, den Arm weniger zu belasten.
Ob in Ihrem Fall eine Operation sinnvoll ist, entscheidet Ihre Ärztin mit Ihnen. Für Operationen am Ellenbogen gibt es kein festes Recht auf eine bezahlte Zweitmeinung, anders als bei Spiegelungen der Schulter. Eine zweite Einschätzung können Sie trotzdem in einer anderen Praxis holen.
So entlasten Sie den Tennisarm in Alltag und Beruf
Weil der Tennisarm aus einer Überlastung entsteht, spielen Alltag und Beruf eine große Rolle. Diese Schritte folgen aus der Behandlungsempfehlung und den Studien.
- Lassen Sie die Diagnose ärztlich stellen, damit andere Ursachen wie ein eingeklemmter Nerv oder Beschwerden aus der Halswirbelsäule nicht übersehen werden.
- Klären Sie mit Ihrer Ärztin, welche Tätigkeiten Sie eine Zeit lang verringern sollten. Wiederholte Bewegungen über zwei Stunden am Tag und Lasten über 20 Kilogramm erhöhen das Risiko.
- Beginnen Sie ein Training, das die Streckmuskeln am Unterarm langsam stärker belastet, angeleitet oder zu Hause.
- Nehmen Sie Schmerzmittel nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin und nur in Phasen.
- Lassen Sie nach sechs Monaten ohne Besserung ein MRT machen und besprechen Sie die nächsten Schritte.
Kommt der Tennisarm von der Arbeit, kann er eine Berufskrankheit sein. Die Liste der Berufskrankheiten führt unter Nummer 2101 schwere oder immer wiederkehrende Erkrankungen der Sehnenscheiden und der Sehnen- und Muskelansätze. Haben Ärztinnen oder Ärzte den begründeten Verdacht auf eine Berufskrankheit, müssen sie ihn sofort der gesetzlichen Unfallversicherung melden. Lassen Sie sich beraten, wenn die Berufsgenossenschaft den Verdacht ablehnt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ein Tennisarm ausheilt?
Ein Tennisarm klingt meist von selbst ab, innerhalb von bis zu zwei Jahren. Die akute Schmerzphase dauert 6 bis 12 Wochen. In einer niederländischen Studie meldeten nach einem Jahr 83 Prozent der Patienten, die nur abwarteten, einen Erfolg, mit Physiotherapie 91 Prozent.
Hilft eine Kortisonspritze beim Tennisarm?
Eine Kortisonspritze lindert die Schmerzen beim Tennisarm nur in den ersten Wochen und verschlechtert das Ergebnis nach einem Jahr. In einer Studie von 2013 hatten 54 Prozent der Patienten mit Kortison einen Rückfall, mit Scheinspritze 12 Prozent. Die deutsche Behandlungsempfehlung stellt fest, dass Kortisonspritzen keine dauerhafte Besserung bringen.
Wann muss ein Tennisarm operiert werden?
Ein Tennisarm muss nur selten operiert werden. Eine Operation kommt frühestens nach sechs Monaten erfolgloser Behandlung infrage, und nur, wenn ein Schaden an der Sehne nachweisbar ist. In einer kleinen Studie war die Operation nicht besser als eine Scheinoperation.
Hilft eine Bandage beim Tennisarm?
Eine Bandage oder Unterarmspange können Sie beim Tennisarm versuchen, ein Beweis für ihre Wirkung fehlt aber. Dasselbe gilt für Tape. Die deutsche Behandlungsempfehlung setzt vor allem auf Training, das die Streckmuskeln am Unterarm langsam stärker belastet.
Kann ein Tennisarm eine Berufskrankheit sein?
Ja, ein Tennisarm kann als Berufskrankheit Nummer 2101 anerkannt werden, wenn er schwer oder immer wiederkehrend ist und von der Arbeit kommt. Die Nummer umfasst Erkrankungen der Sehnenscheiden und der Sehnen- und Muskelansätze. Ärztinnen und Ärzte müssen einen begründeten Verdacht der gesetzlichen Unfallversicherung melden.
