Diese Gründe sprechen beim Kreuzbandriss für eine Operation
Nach einem Riss des vorderen Kreuzbands ist eine Operation nicht automatisch nötig. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie schreibt in ihrer Behandlungsempfehlung, dass Fachleute den besten Weg weiter diskutieren. Einige Studien deuten darauf hin, dass Sie bei einem reinen Kreuzbandriss zunächst ohne Operation beginnen können. Bleiben die Beschwerden, soll dann operiert werden.
Von einem reinen Kreuzbandriss sprechen Ärzte, wenn nur das Kreuzband gerissen ist. Sind Meniskus, Knorpel oder andere Bänder mitverletzt, ändert sich die Lage. Der Meniskus ist die Knorpelscheibe im Knie, die Druck verteilt und Stöße dämpft. Ist er mitgerissen, raten die Fachleute zu einer frühen Operation.
| Worauf es ankommt | Spricht für den Weg ohne Operation | Spricht für eine Operation |
|---|---|---|
| Halt im Knie | Das Knie wackelt kaum und knickt auch bei normaler Belastung nicht weg | Das Knie knickt regelmäßig weg, und die Ärztin kann die Lockerung messen |
| Begleitverletzungen | Nur das Kreuzband ist gerissen, Meniskus und Knorpel sind heil | Der Meniskus ist mitgerissen, oder der Knorpel hat durch das Wackeln Schaden genommen |
| Sport und Beruf | Sie treiben wenig Sport, der das Knie belastet, und können kürzertreten | Sie wollen kniebelastenden Sport treiben oder körperlich schwer arbeiten |
| Alter und Vorschaden | Höheres Alter und eine schon deutliche Arthrose im Knie | Es gibt keine feste Altersgrenze, es zählen Beschwerden und Ansprüche |
Ohne Operation soll Sie eine Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie eng begleiten. Vor der Wahl Sportmediziner oder Orthopäde stehen Sie hier also nicht, denn nach einer Verletzung ist die Orthopädie zuständig.
Ein Meniskusriss macht die Operation dringlicher
Reißt der Meniskus zusammen mit dem Kreuzband, soll er möglichst in derselben Operation genäht werden. Entfernt der Chirurg stattdessen ein Stück Meniskus, wackelt das Knie danach deutlich mehr, und die Aussichten werden schlechter. Deshalb drängt ein mitgerissener Meniskus zu einer frühen Operation.
Ein Meniskusschaden ohne Unfall ist ein anderer Fall. Bei einer gesicherten Kniearthrose zahlt die Kasse eine Kniespiegelung, also eine Arthroskopie, nicht mehr, wenn sie das Knie nur spülen oder glätten soll. Das hat im November 2015 das Gremium beschlossen, in dem Ärzte und Krankenkassen festlegen, was die Kasse zahlt. Die Kasse zahlt die Spiegelung aber weiter nach einem Unfall, bei einem plötzlich blockierten Knie und bei einem Meniskusschaden, der Ihre Beschwerden sicher erklärt. Auch die Fachgesellschaften raten in ihrer Empfehlung zur Kniearthrose vom bloßen Spülen und Glätten ab.
Die ersten Wochen sind mit und ohne OP gleich
Die Behandlungsempfehlung nennt für den Anfang Schonen, Hochlegen, kurzes Kühlen und einen lockeren Druckverband gegen die Schwellung. Dazu kommen Schmerzmittel und Gehstützen, wenn Sie sie brauchen. Bei einem starken Erguss, also viel Flüssigkeit im Knie, kann die Ärztin ihn mit einer Nadel ablassen. Früh beginnt auch die Physiotherapie, zuerst mit Gehtraining an Stützen.
Tag 1: Erstversorgung
Kühlen, hochlegen, entlasten und das Knie ärztlich untersuchen lassen. Nach einem Unfall bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg gehen Sie zum Durchgangsarzt.
Bald danach: Befund sichern
Die Ärztin prüft, wie fest das Knie ist. Bei Verdacht auf einen Riss folgt zeitnah ein MRT von Kreuzband, Meniskus und Knorpel.
Erste Wochen: Knie aufbauen
Die Schwellung geht zurück, Beweglichkeit und Muskelkraft kommen wieder. In dieser Zeit zeigt sich, ob das Knie unter Belastung hält.
Weg A: ohne Operation
Sie trainieren Kraft und Koordination, und die Ärztin kontrolliert das Knie regelmäßig. Knickt es weiter weg, prüft sie die Operation erneut.
Weg B: Operation
Der Chirurg ersetzt das Kreuzband, bei einem Meniskusriss möglichst im selben Eingriff. Das geht ambulant oder mit Aufenthalt in der Klinik.
Ab 6 Monaten: zurück zum Sport
Kniebelastenden Sport nennt die Empfehlung nach einer Operation frühestens nach 6 Monaten. Den genauen Zeitpunkt soll ein Sporttest bestimmen, nicht der Kalender allein.
Beide Wege haben eine Kehrseite. Ohne Operation erreichen viele ihre volle Leistung nur auf niedrigerem Niveau, und wer hoch hinaus will, wird oft später doch operiert. Bleibt das Knie dauerhaft locker, drohen Meniskusschäden, Arthrose und Kraftverlust. Eine Operation ersetzt das Training aber nicht. Für beide Wege empfehlen die Fachleute geduldigen Muskelaufbau und gutes Koordinationstraining.
Beim Kreuzbandriss im Job zahlt die Berufsgenossenschaft
Passiert der Unfall bei der Arbeit, auf dem direkten Arbeitsweg oder beim versicherten Betriebssport, zahlt nicht die Krankenkasse. Zuständig ist dann die gesetzliche Unfallversicherung, für Beschäftigte die Berufsgenossenschaft ihres Betriebs. Ihr erster Weg führt zu einem Durchgangsarzt nach dem Unfall. Das ist ein Unfallarzt, den die Berufsgenossenschaften zugelassen haben.
- Melden Sie den Unfall sofort im Betrieb und lassen Sie ihn ins Verbandbuch eintragen, das Heft für die Erste Hilfe.
- Gehen Sie sofort zum Durchgangsarzt, wenn Sie über den Unfalltag hinaus krankgeschrieben werden oder die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert.
- Zum Durchgangsarzt müssen Sie auch, wenn Sie Physiotherapie oder eine Schiene brauchen, und immer, wenn die Beschwerden wiederkommen.
- Den Durchgangsarzt wählen Sie selbst. Listen führen die Landesverbände der gesetzlichen Unfallversicherung.
- Ihr Arbeitgeber muss den Unfall innerhalb von drei Tagen melden, wenn Sie länger als drei Tage krankgeschrieben sind.
Beim Geld unterscheiden sich die beiden Wege. Nach einem Arbeitsunfall zahlt Ihr Arbeitgeber zuerst 6 Wochen Ihren Lohn weiter. Danach zahlt die Berufsgenossenschaft 80 Prozent Ihres regelmäßigen Bruttolohns, aber nie mehr als Ihren Nettolohn. Nach einem Unfall in der Freizeit zahlt die Krankenkasse nach den 6 Wochen Krankengeld. Es beträgt 70 Prozent vom Brutto, höchstens 90 Prozent vom Netto, und das längstens 78 Wochen in drei Jahren.
Ist es bei der Arbeit, in Schule oder Kita oder beim Betriebssport passiert?
Die gesetzliche Unfallversicherung ist zuständig. Melden Sie den Unfall und gehen Sie zum Durchgangsarzt.
Ist es auf dem direkten Weg zur Arbeit oder nach Hause passiert?
Das ist ein Wegeunfall, auch hier zahlt die Unfallversicherung. Gehen Sie ebenso zum Durchgangsarzt.
Ihre Krankenkasse ist zuständig. Sie gehen in eine Praxis Ihrer Wahl.
Was Sie vor einer Kreuzband-OP klären sollten
Nach einer Kreuzband- oder Meniskusoperation folgt eine Reha. Schließt sie direkt an den Aufenthalt in der Klinik an, heißt sie Anschlussreha. Als direkt gilt auch ein Beginn innerhalb von 14 Tagen. Sie zahlen dafür 10 Euro je Tag, höchstens für 28 Tage im Jahr. Ab Januar 2027 steigt der Betrag auf 15 Euro je Tag, weil ein neues Gesetz die Zuzahlungen erhöht. Nach einem Arbeitsunfall zahlt die Berufsgenossenschaft die Reha, und es fällt keine Zuzahlung an.
Physiotherapie nach dem Eingriff verschreibt Ihre Praxis auf Rezept. Für Arme und Beine sind bis zu 6 Termine je Rezept vorgesehen, als Richtwert insgesamt bis zu 18. Die Behandlung muss innerhalb von 28 Tagen nach dem Ausstellen beginnen, bei einem dringenden Rezept innerhalb von 14 Tagen.
- Klären Sie vor der Operation, wer die Nachbehandlung übernimmt und wann der erste Termin ist.
- Fragen Sie nach dem Plan für die Zeit danach, mit Belastung, Beweglichkeit, Schiene und der Zeit an Gehstützen.
- Besprechen Sie, welchen Test Sie vor der Rückkehr in den Sport bestehen müssen.
- Lassen Sie sich sagen, wie lange Sie krankgeschrieben sein werden, getrennt für Büro und körperliche Arbeit.
Ob in Ihrem Fall operiert wird, hängt vom Befund, vom Verlauf und von Ihren Ansprüchen an das Knie ab. Diese Abwägung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Häufige Fragen
Muss ein Kreuzbandriss immer operiert werden?
Nein, ein reiner Kreuzbandriss muss nicht immer operiert werden. Bleibt das Knie stabil und treiben Sie wenig kniebelastenden Sport, kann die Behandlung ohne Operation beginnen. Knickt das Knie trotz Training weiter weg, raten die Fachleute dann zur Operation.
Welche Gründe sprechen für eine frühe Kreuzband-Operation?
Für eine frühe Kreuzband-Operation spricht vor allem ein mitgerissener Meniskus, weil er möglichst im selben Eingriff genäht werden soll. Weitere Gründe sind ein Knie, das regelmäßig wegknickt, ein Knorpelschaden durch das Wackeln und der Wunsch nach kniebelastendem Sport oder schwerer Arbeit.
Zahlt die Krankenkasse eine Kniespiegelung bei Meniskusschaden?
Ja, die Krankenkasse zahlt eine Kniespiegelung, wenn sich Ihre Beschwerden sicher auf den Meniskusschaden zurückführen lassen. Das gilt auch nach einem Unfall und bei einem plötzlich blockierten Knie. Nicht bezahlt wird bei Kniearthrose eine Spiegelung, die das Knie nur spülen oder glätten soll.
Wann muss ich nach einem Arbeitsunfall am Knie zum Durchgangsarzt?
Zum Durchgangsarzt müssen Sie sofort, wenn Sie über den Unfalltag hinaus krankgeschrieben werden oder die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert. Das gilt auch, wenn Sie Physiotherapie oder eine Schiene brauchen, und immer, wenn die Beschwerden wiederkommen. Welchen Durchgangsarzt Sie aufsuchen, entscheiden Sie selbst.
Wann darf ich nach einer Kreuzband-Operation wieder Sport treiben?
Kniebelastenden Sport nennt die Behandlungsempfehlung der Unfallchirurgen nach einer Kreuzband-Operation frühestens nach 6 Monaten. Den genauen Zeitpunkt soll ein Sporttest bestimmen, nicht der Kalender allein. Ohne Operation dauert die Nachbehandlung ähnlich lange.
