Mit Schmerzen nach dem Sport gehen Sie zum Orthopäden
Schmerzen, eine Schwellung oder ein wackliges Gelenk nach dem Sport gehören in eine Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie. Das raten die ärztlichen Fachgesellschaften in ihrer gemeinsamen Empfehlung zum Sport-Check von 2024.
Der Grund liegt in der Ausbildung. Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie lernen, Verletzungen an Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen zu erkennen und zu behandeln, mit und ohne Operation. Ende 2025 arbeiteten in Deutschland 15.910 von ihnen, 5.637 davon in Praxen. Ob ein Kreuzbandriss operiert werden muss, klärt deshalb diese Fachrichtung.
Eine Überweisung brauchen Sie dafür meist nicht. Gesetzlich Versicherte dürfen jede Kassenpraxis frei wählen. Nur wer sich bei seiner Kasse für das Hausarztmodell eingeschrieben hat, geht zuerst in die Hausarztpraxis.
| Was passiert ist | Wohin Sie gehen | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder ein Unfall mit schweren Verletzungen | Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 | Krankenkasse, nach einem Arbeitsunfall die gesetzliche Unfallversicherung |
| Verletzung am Abend oder am Wochenende, die nicht bis zum nächsten Tag warten kann | Ärztlicher Bereitschaftsdienst über die 116117 | Krankenkasse |
| Schmerzen, Schwellung oder ein wackliges Gelenk nach Freizeit- oder Vereinssport | Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie, ohne Überweisung | Krankenkasse |
| Verletzung beim Betriebssport, beim Hochschulsport oder als bezahlter Sportler | Durchgangsarzt, ein von der Berufsgenossenschaft zugelassener Unfallarzt | Gesetzliche Unfallversicherung |
| Check vor dem Trainingsstart, ohne Beschwerden | Ärztin oder Arzt mit dem Zusatztitel Sportmedizin | Sie selbst, viele Kassen geben einen Zuschuss |
Dahinter steht eine einfache Regel. Wer Beschwerden hat, ist Patient, und die Krankenkasse zahlt. Ob nach einem Sportunfall im Verein oder privat doch die gesetzliche Unfallversicherung zahlt, hängt davon ab, wo und als was Sie Sport treiben.
Sportmediziner sind Fachärzte mit einem Zusatztitel
Sportmedizin ist in Deutschland ein Zusatztitel und kein eigener Facharzt. Eine Ärztin erwirbt ihn erst, wenn sie schon Fachärztin ist. Sie braucht dafür 320 Stunden Kurse und Fallbesprechungen und eine Prüfung bei der Ärztekammer. Welche Facharztrichtung sie hat, spielt keine Rolle, solange sie Patienten direkt behandelt.
Deshalb kann eine Sportmedizinerin zugleich Internistin, Hausärztin oder Orthopädin sein. Ende 2025 trugen 12.411 berufstätige Ärztinnen und Ärzte den Titel, 6.480 davon mit eigener Praxis. Wie viele davon Orthopäden sind, weist die Ärztestatistik der Bundesärztekammer nicht aus.
Die Kurse decken viel mehr ab als Knochen und Gelenke. Von den 15 Kursblöcken behandeln nur 3 Knochen, Gelenke und Muskeln. Die anderen drehen sich um Herz und Kreislauf, um Training und Leistungstests, um Ernährung und Doping und um Bewegung bei chronischen Krankheiten.
Was eine Ärztin bei einem verletzten Knie leisten kann, zeigt deshalb vor allem ihr Facharzttitel. Der Zusatztitel Sportmedizin zeigt, dass sie außerdem Belastbarkeit einschätzen, Training planen und Sportler beraten kann.
So prüfen Sie, ob Ihre Ärztin Sportmedizinerin ist
Der Name einer Praxis sagt wenig. Steht Sportmedizin im Praxisnamen, wissen Sie noch nicht, welche Ärztin dort den Titel trägt. Verbindlich ist nur der Titel, den die Ärztekammer nach einer Prüfung vergibt.
Daneben vergeben Fachgesellschaften eigene Zertifikate. Sie zeigen vor allem Kurse und Mitgliedschaft, ersetzen aber keinen Facharzttitel. Der Zusatztitel der Kammer verlangt 320 Stunden Weiterbildung, die Zertifikate gelten 2 oder 5 Jahre.
| Nachweis | Wer ihn vergibt | Was er zeigt |
|---|---|---|
| Zusatztitel Sportmedizin | Landesärztekammer nach einer Prüfung | 320 Stunden geprüfte Weiterbildung zusätzlich zum Facharzt |
| Liste der empfohlenen Sportmediziner | Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention | Zusatztitel und Mitgliedschaft, der Eintrag gilt 2 Jahre |
| Zertifikat GOTS-Sportarzt | Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin | Vier Kurse zu Sportverletzungen mit Prüfung, das Zertifikat gilt 5 Jahre |
| Sportmedizin im Praxisnamen | Die Praxis selbst | Nichts über die einzelne Ärztin oder den einzelnen Arzt |
So prüfen Sie eine Praxis vor dem Termin:
- Notieren Sie den Namen der Ärztin oder des Arztes, nicht nur den Namen der Praxis.
- Suchen Sie diesen Namen in der Arztsuche Ihrer Landesärztekammer oder im Ärzteführer Ihrer Krankenkasse.
- Achten Sie bei Schmerzen, Schwellung oder einem wackligen Gelenk auf den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
- Für einen Check von Herz, Kreislauf und Belastbarkeit zählt der Zusatztitel Sportmedizin.
Der Sport-Check prüft Herz, Gelenke und Belastbarkeit
Der sportmedizinische Check ist eine Untersuchung ohne Beschwerden. Die Fachgesellschaften empfehlen, ihn Erwachsenen anzubieten, die Sport treiben oder damit anfangen wollen. Wiederholen sollen Sie ihn alle 1 bis 5 Jahre, je nach Risiko, Sportart und Trainingsumfang.
Zum Check gehören nach dieser Empfehlung diese Teile:
- Ein Fragebogen zu Krankheiten in Ihrer Familie, zu Ihrem Sport, zu Medikamenten, Operationen und Verletzungen.
- Ab 35 Jahren eine Berechnung Ihres Risikos für Herzinfarkt und Schlaganfall mit einem geprüften Punktesystem.
- Eine körperliche Untersuchung, auch von Gelenken und Wirbelsäule.
- Ein EKG in Ruhe, also eine Messung der Herzströme.
- Ein EKG unter Belastung, je nach Befund, Risiko, Sportart und Trainingsumfang.
- Blut, Urin und ein Ultraschall des Herzens nur, wenn es dafür einen Grund gibt.
Nicht alle Fachgesellschaften tragen diese Empfehlung mit. Die Fachgesellschaft der Hausärzte schreibt nur, dass man den Check anbieten kann, und nicht, dass man es sollte. Die Daten zu Nutzen und Schaden reichen ihr nicht aus. Sie fürchtet, eine feste Empfehlung könne Menschen vom Sport abhalten.
Was der Check kostet, hängt vom Umfang ab. Für Gespräch, Untersuchung und Belastungs-EKG nennt die Krankenkasse mkk in der Regel rund 100 bis 150 Euro. Mit Lungentest, Laktattest oder Atemgasmessung sind es 150 bis 200 Euro. Diese Tests helfen vor allem, Ihre Trainingsbereiche festzulegen.
Wer zahlt den Sport-Check beim Sportmediziner?
Den Check ohne Beschwerden zahlen Sie zunächst selbst, denn er gehört nicht zu den Pflichtleistungen der Kassen. Die Techniker Krankenkasse schreibt ausdrücklich, dass der Check keine Kassenleistung ist. Haben Sie dagegen Beschwerden, ist die Untersuchung eine normale Behandlung. Dann zahlt die Kasse, und Sie zeigen Ihre Versichertenkarte.
Viele Kassen geben trotzdem einen Zuschuss, freiwillig und nach eigenen Regeln. Deshalb unterscheiden sich Beträge und Bedingungen, wie drei Beispiele vom September 2026 zeigen:
- Die Techniker Krankenkasse erstattet 80 Prozent der Rechnung, höchstens 60 Euro für den einfachen und 120 Euro für den erweiterten Check. Die Ärztin muss eine Kassenpraxis haben und den Titel Sportmedizin tragen.
- Die mkk zahlt 80 Euro Zuschuss alle zwei Jahre. Mit medizinisch begründeten Zusatztests zahlt sie bis zu 150 Euro.
- Die Siemens-Betriebskrankenkasse erstattet 90 Prozent, höchstens 65 Euro. Bei ärztlich bescheinigten Risiken wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen zahlt sie bis zu 140 Euro, frühestens wieder nach zwei Jahren.
Für alle Versicherten zahlt die Kasse den Gesundheits-Check-up in der Hausarztpraxis. Zwischen 18 und 35 Jahren steht er Ihnen einmal zu, ab 35 Jahren alle drei Jahre. Er sucht nach Risiken wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes. Ein Belastungstest gehört aber nicht dazu.
Haben Sie Schmerzen, eine Schwellung oder eine Verletzung?
Ist es bei der Arbeit, beim Betriebssport oder beim Hochschulsport passiert?
Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt. Gehen Sie zum Durchgangsarzt.
Die Krankenkasse zahlt, Sie zeigen Ihre Versichertenkarte. Eine Überweisung brauchen Sie nur im Hausarztmodell.
Gibt Ihre Krankenkasse einen Zuschuss zum Sport-Check?
Sie zahlen die Rechnung zuerst selbst und reichen sie dann ein. Halten Sie vorher die Bedingungen Ihrer Kasse ein.
Sie zahlen den Check selbst. Den Gesundheits-Check-up zahlt jede Kasse, ab 35 Jahren alle drei Jahre.
Häufige Fragen
Brauche ich nach einer Sportverletzung eine Überweisung zum Orthopäden?
Nein, nach einer Sportverletzung dürfen gesetzlich Versicherte direkt in eine Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie gehen. Eine Überweisung von der Hausarztpraxis brauchen Sie nur, wenn Sie bei Ihrer Kasse im Hausarztmodell eingeschrieben sind.
Ist Sportmediziner ein eigener Facharzt?
Nein, Sportmedizin ist in Deutschland ein Zusatztitel und kein eigener Facharzt. Eine Ärztin bekommt ihn erst als Fachärztin, nach 320 Stunden Weiterbildung und einer Prüfung bei der Ärztekammer. Eine Sportmedizinerin kann deshalb zugleich Internistin, Hausärztin oder Orthopädin sein.
Was kostet ein Sport-Check beim Sportmediziner?
Ein Sport-Check beim Sportmediziner kostet in der Regel rund 100 bis 150 Euro, mit Zusatztests wie Laktat- oder Lungentest 150 bis 200 Euro. Die Krankenkasse zahlt ihn nicht als Pflichtleistung. Viele Kassen geben aber einen Zuschuss, die Techniker Krankenkasse zum Beispiel 80 Prozent, höchstens 60 Euro.
Wie oft sollte ich einen sportmedizinischen Check machen lassen?
Einen sportmedizinischen Check empfehlen die Fachgesellschaften alle 1 bis 5 Jahre. Wie kurz der Abstand sein soll, hängt von Ihrem Risiko, Ihrer Sportart und Ihrem Trainingsumfang ab. Am wichtigsten ist die erste Untersuchung vor dem Einstieg.
