Wadentest und Ultraschall zeigen den Achillessehnenriss
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskeln mit dem Fersenbein und ist die stärkste Sehne des Menschen. Sie reißt vor allem bei sportlich aktiven Menschen im mittleren Alter. In einer britischen Studie mit 540 Patienten waren sie im Mittel 48,7 Jahre alt, und 79 Prozent waren Männer.
Für die Diagnose reichen meist eine Untersuchung und ein Ultraschall. Beim Thompson-Test drückt die Ärztin Ihre Wade zusammen. Ist die Sehne heil, bewegt sich der Fuß dabei nach unten, bei einem Riss bleibt er stehen. Außerdem tastet sie nach einer Lücke in der Sehne. Den Ultraschall hält eine deutsche Übersichtsarbeit von 2026 für nötig, um die passende Behandlung zu wählen.
Eine gültige deutsche Behandlungsempfehlung zum Achillessehnenriss gibt es derzeit nicht. Die frühere Fassung ist abgelaufen. Ärzte stützen sich deshalb auf große Studien und auf Auswertungen vieler Studien.
Mit und ohne OP ist die Funktion gleich
Die bisher größte Vergleichsstudie erschien 2022 im New England Journal of Medicine. In Norwegen wurden 554 Erwachsene mit frischem Riss per Los einer von drei Behandlungen zugeteilt. Die erste kam ohne Operation aus, die zweite war eine offene Naht und die dritte eine Naht durch kleine Schnitte. Nach 12 Monaten unterschied sich die Funktion zwischen den Gruppen nicht. Gemessen wurde sie mit einem Fragebogen auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten.
In allen drei Gruppen lag der Wert nach 12 Monaten noch 14,7 bis 17 Punkte unter dem Wert vor der Verletzung. Unterschiede gab es bei den Komplikationen. Ohne Operation riss die Sehne bei 6,2 Prozent erneut, nach beiden Operationen bei je 0,6 Prozent. Verletzungen des Wadennervs gab es nach der Naht durch kleine Schnitte bei 5,2 Prozent, nach der offenen Naht bei 2,8 Prozent und ohne Operation bei 0,6 Prozent.
| Behandlung | Funktion, Punkte unter dem Wert vor der Verletzung | Sehne erneut gerissen | Wadennerv verletzt |
|---|---|---|---|
| Ohne Operation, im Spezialschuh | 17,0 | 6,2 Prozent | 0,6 Prozent |
| Offene Naht | 16,0 | 0,6 Prozent | 2,8 Prozent |
| Naht durch kleine Schnitte | 14,7 | 0,6 Prozent | 5,2 Prozent |
Eine große Auswertung im British Medical Journal von 2019 passt dazu. Sie fasst 29 Studien mit fast 16.000 Patienten zusammen. Nach einer Operation riss die Sehne bei 2,3 Prozent erneut, ohne Operation bei 3,9 Prozent. Andere Komplikationen traten nach der Operation häufiger auf, bei 4,9 statt 1,6 Prozent. Den größten Teil machten Wundinfektionen aus, sie trafen 2,8 Prozent der Operierten. Durfte der Fuß früh bewegt werden, war der Vorteil der Operation bei neuen Rissen nicht mehr gesichert.
Zwei deutsche Übersichtsarbeiten sehen es ähnlich. Eine Auswertung von zehn Sammelstudien kam 2024 zu dem Schluss, dass kein Verfahren klar überlegen ist, solange die Nachbehandlung früh mit Bewegung beginnt. Eine Übersicht von 2026 hält bei aktiven jungen Menschen eine Operation für eine mögliche Wahl, weil sie weniger Kraftverlust erwarten lässt.
Jeder Weg hat ein anderes Risiko
Die Autoren der großen Auswertung von 2019 schreiben ausdrücklich, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin entscheiden sollen. Der Grund ist einfach. Die Operation senkt das Risiko eines neuen Risses etwas, bringt aber das Risiko von Wundinfektion und Nervenverletzung.
- Der Zeitpunkt zählt. Für einen frischen Riss eignen sich beide Wege, für einen alten Riss mit Lücke eher die offene Operation.
- Ihre Ansprüche zählen. Bei aktiven jungen Menschen beschreibt eine Übersicht von 2026 weniger Kraftverlust nach einer Operation.
- Die Wundheilung ist bei einer Operation ein eigenes Risiko. Infektionen machen den größten Teil der zusätzlichen Komplikationen aus.
- Die Nachbehandlung entscheidet mit. Mit früher Bewegung im Schuh schrumpft der Vorteil der Operation bei neuen Rissen.
- Die Technik verändert das Risiko. Die Naht durch kleine Schnitte verletzte in der norwegischen Studie häufiger den Wadennerv.
Wurde der Riss erst spät erkannt, oder fehlt ein Stück der Sehne?
Bei einem alten Riss mit Lücke raten Fachleute meist zu einer offenen Operation. Lassen Sie sich Verfahren und Nachbehandlung genau erklären.
Ist Ihnen ein geringeres Risiko für einen neuen Riss am wichtigsten?
Dann spricht mehr für die Operation. Fragen Sie nach der Technik und danach, wie der Wadennerv geschützt wird.
Dann spricht mehr für den Spezialschuh mit früher Belastung. Er erreicht dieselbe Funktion und vermeidet Wundkomplikationen.
Fragen Sie konkret, wie oft die Klinik bei beiden Wegen neue Risse und Komplikationen erwartet. Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie die Nachbehandlung Woche für Woche aussieht.
Der Spezialschuh hält die Fußspitze 8 Wochen gesenkt
Der Spezialschuh ist eine Orthese, also eine feste Stütze. Er hält den Fuß mit gesenkter Fußspitze, damit die Sehnenenden nah beieinanderliegen und zusammenwachsen können. In der britischen Studie trugen die Patienten den Schuh oder einen Gips 8 Wochen lang. Der Schuh mit früher Belastung schnitt so gut ab wie der Gips. Nach 9 Monaten gab es keinen Unterschied in der Funktion, und neu gerissen war die Sehne bei 5 Prozent im Schuh und 6 Prozent im Gips.
Woche 1 bis 8
Sie tragen den Spezialschuh und belasten früh, so wie Ihre Ärztin es vorgibt.
Gleichzeitig
Je nach Risiko bekommen Sie Spritzen oder Tabletten gegen Thrombose, solange Sie den Schuh tragen oder bis Sie voll belasten.
Frühe Bewegung
Sie bewegen das Sprunggelenk früh und kontrolliert. In Studien war der Vorteil der Operation bei neuen Rissen dann nicht mehr gesichert.
Nach dem Schuh
Mit Physiotherapie bauen Sie Kraft und Beweglichkeit der Wade Schritt für Schritt auf.
Nach 9 bis 12 Monaten
Zu diesem Zeitpunkt messen die Studien das Ergebnis. Auch nach 12 Monaten lag die Funktion im Mittel noch unter dem Wert vor der Verletzung.
Viele vergessen die Frage nach der Thrombose. Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einer Vene, oft in der Wade. Die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften von 2026 rät zu Spritzen oder Tabletten dagegen. Das gilt, wenn das Bein im Gips oder in einer festen Stütze steckt und Ihr Risiko mittel oder hoch ist. Den Achillessehnenriss zählt sie zu den Verletzungen mit hohem Risiko.
Der Spezialschuh kostet Sie 5 bis 10 Euro Zuzahlung
Den Spezialschuh verschreibt Ihre Praxis auf Rezept, die Operation zahlt die Kasse. Für den Schuh zahlen Sie 10 Prozent des Preises dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Ab Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro, weil ein neues Gesetz die Zuzahlungen erhöht. Wie Physiotherapie auf Rezept abläuft, erklärt physiotherapeuten-verzeichnis.de.
Reißt die Sehne bei der Arbeit, auf dem Arbeitsweg oder beim versicherten Betriebssport, zahlt nicht die Krankenkasse. Zuständig ist dann die gesetzliche Unfallversicherung, und der Weg führt zum Durchgangsarzt, einem Unfallarzt der Berufsgenossenschaft. Rechnen Sie damit, dass die Berufsgenossenschaft prüft, ob der Unfall oder eine vorgeschädigte Sehne den Riss verursacht hat. Lehnt sie den Arbeitsunfall wegen Verschleiß ab, lassen Sie sich beraten.
Häufige Fragen
Muss ein Achillessehnenriss operiert werden?
Nein, ein frischer Achillessehnenriss kann auch im Spezialschuh ohne Operation behandelt werden. In einer norwegischen Studie mit 554 Patienten war die Funktion nach 12 Monaten mit und ohne Operation gleich. Die Operation senkt das Risiko eines neuen Risses, bringt aber mehr Wundinfektionen und Nervenverletzungen.
Wie lange muss ich nach einem Achillessehnenriss den Spezialschuh tragen?
Nach einem Achillessehnenriss trugen die Patienten der britischen UKSTAR-Studie den Spezialschuh 8 Wochen lang und belasteten früh. Der Schuh schnitt dort so gut ab wie ein Gips. Das genaue Schema mit Belastung und Einstellung des Schuhs legt Ihre Ärztin fest.
Wie oft reißt die Achillessehne nach der Behandlung erneut?
Die Achillessehne reißt nach einer Auswertung von 29 Studien bei 2,3 Prozent der Operierten erneut und bei 3,9 Prozent der Patienten ohne Operation. In der norwegischen Studie von 2022 waren es 0,6 und 6,2 Prozent. Bewegten die Patienten den Fuß früh, war der Unterschied nicht mehr gesichert.
Brauche ich nach einem Achillessehnenriss Spritzen gegen Thrombose?
Nach einem Achillessehnenriss raten die Fachgesellschaften zu Spritzen oder Tabletten gegen Thrombose, wenn das Bein ruhiggestellt ist und Ihr Risiko mittel oder hoch ist. Den Achillessehnenriss zählen sie selbst zu den Verletzungen mit hohem Risiko. Wie lange Sie den Schutz brauchen, hängt vom Risiko ab, unter Umständen bis Sie voll belasten.
Worin unterscheidet sich die Operation der Achillessehne durch kleine Schnitte von der offenen?
Die Operation der Achillessehne durch kleine Schnitte erreichte in der norwegischen Studie dieselbe Funktion wie die offene Naht. Neue Risse gab es bei beiden in 0,6 Prozent der Fälle. Den Wadennerv verletzte sie aber häufiger, bei 5,2 statt 2,8 Prozent. Eine deutsche Übersicht von 2026 beschreibt dafür weniger Probleme mit der Wunde.
