Nach dem Umknicken ist ein Röntgenbild oft unnötig
Beim typischen Umknicken kippt der Fuß nach innen, und die Bänder an der Außenseite des Sprunggelenks überdehnen oder reißen. Am häufigsten reißt das vordere dieser Bänder. Ärzte sprechen von einem Außenbandriss, im Alltag heißt er Bänderriss.
Ein Röntgenbild braucht es nur, wenn ein Knochen gebrochen sein könnte. Das prüfen Ärzte mit den Ottawa-Regeln, einem kurzen Test aus Kanada. Eine Auswertung von 27 Studien mit 15.581 Patienten zeigte 2003, dass die Regeln fast keinen Bruch übersehen. Mit ihnen ließen sich 30 bis 40 Prozent der Röntgenbilder einsparen.
Nach den Ottawa-Regeln ist ein Röntgenbild nötig, wenn eines dieser Zeichen vorliegt:
- Der Außen- oder Innenknöchel schmerzt auf Druck an seiner hinteren Kante.
- Der Knochenvorsprung außen in der Mitte des Fußes schmerzt auf Druck.
- Das Kahnbein schmerzt auf Druck, ein Knochen innen vor dem Knöchel.
- Sie können direkt nach dem Unfall und bei der Untersuchung keine vier Schritte gehen.
Wie schwer die Bänder verletzt sind, zeigt die erste Untersuchung ohnehin schlecht. Am verlässlichsten ist der Schubladentest nach 4 bis 5 Tagen, bei dem die Ärztin den Fuß gegen das Schienbein nach vorn schiebt. Er erkennt dann 84 von 100 Rissen und meldet nur selten einen Riss, wo keiner ist.
Ein Ultraschall findet einen Riss ähnlich gut, zeigt aber öfter einen Riss an, wo keiner ist. Ein MRT ist sinnvoll, wenn die Ärztin schwere Begleitverletzungen vermutet, etwa am Knorpel oder an der Syndesmose, der Bandverbindung zwischen Schienbein und Wadenbein.
Schiene und Übungen wirken besser als ein Gips
Eine gültige deutsche Behandlungsempfehlung zum frischen Bänderriss gibt es derzeit nicht, eine neue soll Ende 2026 fertig sein. Bis dahin stützen sich Ärzte vor allem auf die niederländische Leitlinie von 2018. Sie rät zu einer Schiene für 4 bis 6 Wochen, die Fachleute Orthese nennen. Die Schiene begrenzt das Umknicken nach innen, erlaubt aber das Gehen. Dazu kommen früh Übungen für Gleichgewicht, Koordination und Kraft.
Ein Gips für etwa 10 Tage half in einer britischen Studie nach 3 Monaten besser als eine elastische Binde, nach 9 Monaten war kein Unterschied mehr messbar. Eine Schiene für 4 bis 6 Wochen wirkt besser als Binde oder Tape. Ein Gips ab 4 Wochen schneidet dagegen schlechter ab.
| Behandlung | Was die Studien zeigen | Was das für Sie heißt |
|---|---|---|
| Elastische Binde oder Schlauchverband | In einer britischen Studie mit 584 Patienten die schwächste Behandlung | Reicht bei einem schweren Bänderriss nicht |
| Schiene zum Schnüren oder mit festen Schalen, 4 bis 6 Wochen | Wirkt besser als Binde, Tape oder Kinesiotape, ohne Nebenwirkungen | Die empfohlene Behandlung |
| Kurzer Unterschenkelgips für etwa 10 Tage | Nach 3 Monaten besser als die Binde, nach 9 Monaten gleich | Möglich bei starken Schmerzen und Schwellung |
| Frühe Übungen für Gleichgewicht und Kraft | Senken das Risiko, wieder umzuknicken, um mehr als ein Drittel | Gehören zu jeder Behandlung |
| Operation des frischen Risses | Seltener erneutes Umknicken, aber längere Erholung, steifere Gelenke und mehr Komplikationen | Nur im Einzelfall, etwa im Profisport |
Ruhe, Kühlen, Druckverband und Hochlegen allein helfen nach der Leitlinie nicht nachweisbar gegen Schmerz und Schwellung. Kühlen half nur zusammen mit Übungen gegen die Schwellung. Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern Schmerz und Schwellung, können aber die Heilung bremsen. Besprechen Sie Dauer und Dosis deshalb mit Ihrer Ärztin.
Die Schiene verschreibt Ihre Praxis auf Rezept. Sie zahlen 10 Prozent des Preises dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Ab Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro, weil ein neues Gesetz die Zuzahlungen erhöht. Wie Physiotherapie auf Rezept abläuft, erklärt physiotherapeuten-verzeichnis.de.
In 3 Fällen kommt beim Bänderriss eine Operation infrage
Früher haben Chirurgen frische Bänderrisse oft genäht. Heute ist das die Ausnahme, weil der Weg ohne Operation auf lange Sicht im Mittel gleich gut abschneidet. Eine Auswertung von 20 Studien mit 2.562 Teilnehmenden fand 2007 keinen sicheren Vorteil der Operation, aber Hinweise auf längere Erholung und mehr Komplikationen. Operierte Sprunggelenke knicken zwar seltener erneut um. Weil 60 bis 70 Prozent ohne Operation gut zurechtkommen, bleibt die Schiene trotzdem die erste Wahl.
Diese drei Fälle sprechen eher für eine Operation:
- Das Sprunggelenk bleibt trotz eines vollständigen Übungsprogramms instabil. Halten Schmerz, Schwellung oder Umknicken mindestens 12 Monate an, sprechen Ärzte von chronischer Instabilität.
- Profisportler können sich für eine Operation entscheiden, um schneller in den Wettkampf zurückzukehren.
- Ist zusätzlich die Syndesmose verletzt, die Bandverbindung zwischen Schienbein und Wadenbein, würde die Mehrheit der befragten Ärzte in Deutschland operieren.
Ob eine Operation für Sie infrage kommt, hängt vom Befund, von Ihrem Sport und vom Verlauf ab. Fragen Sie konkret, welche Bänder gerissen sind und wie lange Sie nach einer Operation ausfallen würden.
Sport und schwere Arbeit nach 6 bis 8 Wochen
Wie lange Sie ausfallen, hängt von der Verletzung und von Ihrer Arbeit ab. Die niederländische Leitlinie nennt dafür einen Zeitplan. Er ist ein Richtwert und kein fester Termin, denn den Zeitpunkt legt Ihre Ärztin nach der Untersuchung fest.
Tag 4 bis 5
Die Ärztin prüft die Bänder ein zweites Mal mit dem Schubladentest. Jetzt ist er am verlässlichsten.
Woche 1 bis 6
Sie tragen die Schiene und beginnen früh mit Übungen für Gleichgewicht, Koordination und Kraft.
Woche 3 bis 6
Überwiegend sitzende Arbeit ist möglich. Heben Sie nicht mehr als 10 Kilogramm, und meiden Sie langes Stehen und Gehen auf unebenem Boden.
Woche 6 bis 8
Sie kehren zu voller Arbeit und Sport zurück, je nach Anforderung und Erfolg der Übungen.
Nach einer Operation
Sie tragen 2 Wochen einen Gips ohne Belastung, nach mehr als 6 Wochen folgt eine Schiene. Schwere Arbeit und Sport sind nach 12 bis 16 Wochen möglich.
Bei einer leichten Verstauchung ohne Riss können Sie nach 3 bis 4 Wochen wieder voll belasten. Frühes Bewegen mit Schiene führt zu kürzeren Krankschreibungen als ein Gips.
Wer nach einem Sportunfall im Verein oder privat zahlt, hängt davon ab, wo es passiert ist. Nach dem Umknicken beim Freizeit- oder Vereinssport zahlt die Krankenkasse. Nach einem Unfall beim Betriebssport oder als bezahlter Sportler zahlt die gesetzliche Unfallversicherung, und Sie gehen zum Durchgangsarzt.
Übungen und Schiene schützen vor dem nächsten Umknicken
Wer einmal umgeknickt ist, knickt leichter wieder um. Nach 1 bis 4 Jahren haben noch 5 bis 46 Prozent der Betroffenen Schmerzen. Erneut umgeknickt sind 3 bis 34 Prozent, und 33 bis 55 Prozent fühlen sich im Gelenk unsicher. Bis zu 40 Prozent behalten trotz Schiene und Übungen ein dauerhaft wackliges Sprunggelenk. Ein ungünstiges Zeichen ist, wenn Sie zwei Wochen nach dem ersten Umknicken noch nicht springen und landen können.
Zwei Dinge senken das Risiko nachweislich. Übungen für Gleichgewicht und Koordination verringern erneutes Umknicken um mehr als ein Drittel, bei Sportlern um mehr als die Hälfte. Eine Schiene oder ein Tape beim Sport senkt das Risiko um rund 70 Prozent. Welche der beiden Stützen Sie nehmen, entscheiden Sie nach Handhabung und Kosten.
Häufige Fragen
Muss ein Bänderriss am Sprunggelenk operiert werden?
Nein, ein Bänderriss am Sprunggelenk wird fast immer ohne Operation behandelt, mit einer Schiene für 4 bis 6 Wochen und frühen Übungen. In einer Umfrage von 2024 behandelten 99,7 Prozent der Orthopäden und Unfallchirurgen den reinen Riss des vorderen Außenbands so. Eine Operation kommt vor allem bei dauerhafter Instabilität, im Profisport oder bei verletzter Syndesmose infrage.
Wie lange muss ich nach einem Bänderriss am Sprunggelenk eine Schiene tragen?
Nach einem Bänderriss am Sprunggelenk tragen Sie die Schiene 4 bis 6 Wochen, dazu machen Sie Übungen für Gleichgewicht und Kraft. Ein Gips für 4 Wochen oder länger schneidet schlechter ab. Eine Ruhigstellung von weniger als 10 Tagen kann am Anfang Schmerz und Schwellung lindern.
Wann kann ich nach einem Bänderriss am Sprunggelenk wieder Sport treiben?
Nach einem Bänderriss am Sprunggelenk sind Sport und volle Arbeit meist nach 6 bis 8 Wochen wieder möglich. Nach einer Operation dauert es 12 bis 16 Wochen. Den genauen Zeitpunkt legt Ihre Ärztin nach der Untersuchung fest.
Muss nach dem Umknicken am Sprunggelenk immer geröntgt werden?
Nein, nach dem Umknicken am Sprunggelenk braucht es ein Röntgenbild nur, wenn die Ottawa-Regeln auf einen Bruch hinweisen. Das ist der Fall, wenn bestimmte Knochen an Knöchel oder Fuß auf Druck schmerzen oder Sie keine vier Schritte gehen können. Die Regeln übersehen fast keinen Bruch und sparen 30 bis 40 Prozent der Röntgenbilder.
Hilft Kühlen nach einem Bänderriss am Sprunggelenk?
Kühlen allein lindert Schmerz und Schwellung nach einem Bänderriss am Sprunggelenk nicht nachweisbar. Gegen die Schwellung hilft es vor allem zusammen mit Übungen. Am meisten bringen eine Schiene und frühes Training von Gleichgewicht, Koordination und Kraft.
