Hyaluronsäure wirkte in Studien nicht besser als Kochsalz
Bei Kniearthrose bieten viele Praxen zwei Spritzen an, die die gesetzliche Kasse nicht bezahlt. Hyaluronsäure ist ein Bestandteil der natürlichen Gelenkflüssigkeit und soll das Gelenk besser gleiten lassen. Für die Eigenblutspritze nimmt die Praxis Ihnen Blut ab und schleudert es in einer Zentrifuge. Den Teil mit vielen Blutplättchen spritzt sie dann ins Knie. Fachleute nennen das plättchenreiches Plasma, kurz PRP. Die Blutplättchen sollen Stoffe freisetzen, die Reparaturen im Gelenk anstoßen.
Ein unabhängiges Institut, das IQWiG, hat die Studien für Patienten ausgewertet. In den aussagekräftigsten Studien wirkte Hyaluronsäure nicht besser als eine Spritze mit Kochsalzlösung. Als Nebenwirkungen nennt das Institut vorübergehende Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Gelenk. Für Eigenblut ist bisher nicht nachgewiesen, dass es die Beschwerden einer Kniearthrose lindert.
Beide Spritzen kosten an ärztlicher Gebühr gleich viel, nämlich 5,54 Euro beim einfachen und 12,74 Euro beim 2,3-fachen Satz. Der Unterschied liegt im Mittel und in der Frage, was die Fachleute davon halten.
| Frage | Hyaluronsäure | Eigenblut (PRP) |
|---|---|---|
| Was gespritzt wird | Ein Fertigmittel mit Hyaluronsäure | Aufbereitetes eigenes Blut mit vielen Blutplättchen |
| Wozu es dienen soll | Das Gelenk soll besser gleiten und gedämpft werden | Stoffe aus den Blutplättchen sollen Reparaturen anstoßen |
| Was die Fachgesellschaften sagen | Keine Empfehlung, weil sich die Studien widersprechen | Kann man erwägen, wenn andere Mittel nicht passen oder nicht wirken |
| Was das IQWiG zu den Studien sagt | Nicht besser als Kochsalz in den besten Studien | Linderung bisher nicht nachgewiesen |
| Wer zahlt | Sie selbst | Sie selbst |
| Ärztliche Gebühr je Spritze | 5,54 bis 12,74 Euro, dazu das Mittel | 5,54 bis 12,74 Euro, dazu Blutabnahme und Aufbereitung |
Eigenblut kommt erst infrage, wenn anderes nicht hilft
Die ärztlichen Fachgesellschaften haben 2024 eine gemeinsame Behandlungsempfehlung zur Kniearthrose veröffentlicht. Zur Hyaluronsäure geben sie darin keine Empfehlung ab, weil sich die Studien widersprechen. Eigenblut kann man nach dieser Empfehlung erwägen, wenn andere Mittel gegen Schmerz ungeeignet sind, aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden oder nicht wirken. Die Qualität der Studien schwankt stark, und ein bestimmtes Verfahren zur Aufbereitung des Blutes empfehlen die Fachleute nicht.
Anders sieht es bei Kortison aus. Für eine kurze Behandlung schmerzhafter Kniearthrose schlagen die Fachgesellschaften eine Kortisonspritze ins Gelenk vor. Das gilt, wenn andere Medikamente nicht wirken oder nicht passen, oder wenn die Spritze Bewegungstherapie erst möglich macht. Die Praxis soll Ihnen sagen, dass die Wirkung nur 2 bis 10 Wochen anhält.
Das IQWiG nennt dazu Zahlen. Eine Kortisonspritze lindert die Beschwerden bei 10 bis 20 von 100 Menschen für bis zu 8 Wochen. Physiotherapie mit angeleiteten Übungen für zu Hause hilft langfristig besser. Wiederholte Kortisonspritzen über längere Zeit könnten außerdem den Knorpel schwächen.
- Eigenblut steht in der Empfehlung als Reserve, nicht als erster Schritt.
- Jede Spritze ins Gelenk soll nur eine darin ausgebildete Ärztin geben, unter strengen Hygieneregeln.
- Kortison wirkt 2 bis 10 Wochen und soll Zeit für Bewegungstherapie schaffen.
- Von Glucosamin raten die Fachgesellschaften ab, weil ein Nutzen nicht sicher belegt ist.
Die Praxis berechnet 5,54 bis 12,74 Euro je Spritze
Als Selbstzahler bekommen Sie eine Rechnung nach der ärztlichen Gebührenordnung. Das ist eine amtliche Preisliste, in der jede Leistung eine Nummer und eine Punktzahl hat. Die Spritze ins Gelenk hat die Nummer 255 und 95 Punkte. Beim einfachen Satz sind das 5,54 Euro, beim üblichen Höchstsatz von 2,3 sind es 12,74 Euro. Zieht die Ärztin vorher Flüssigkeit aus dem Knie ab, kommt die Nummer 301 mit 9,33 bis 21,45 Euro dazu.
Diese Beträge sind nur der ärztliche Anteil. Dazu kommt das Mittel, also das Hyaluronpräparat oder das Set zur Aufbereitung Ihres Blutes. Die Praxis darf solche Mittel einzeln berechnen, aber keine Pauschalen. Einmalspritzen und Kanülen darf sie nicht extra berechnen.
Was eine ganze Serie kostet, hängt vom Mittel und von der Zahl der Spritzen ab. Den Gesamtbetrag nennt Ihnen deshalb nur der Kostenplan Ihrer Praxis. Vor jeder IGeL beim Orthopäden muss die Praxis Ihnen diesen Plan geben und Ihre schriftliche Zustimmung einholen.
- Fragen Sie nach der geplanten Zahl der Spritzen und nach dem Namen des Mittels.
- Lassen Sie sich den Kostenplan geben, mit Nummern, Faktor und den Kosten für das Mittel je Termin.
- Steht ein Faktor über 2,3 auf der Rechnung, muss daneben eine schriftliche Begründung stehen.
- Soll ein höherer Betrag fest vereinbart werden, muss das vor der Behandlung in einem eigenen Schriftstück stehen. Darin steht auch, dass Ihre Versicherung den Betrag vielleicht nicht ganz erstattet.
- Vergleichen Sie die Rechnung Posten für Posten mit dem Plan und klären Sie Abweichungen, bevor Sie zahlen.
Warum die Kasse Hyaluronsäure und Eigenblut nicht zahlt
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt, was nötig, ausreichend und wirtschaftlich ist. Für Hyaluronsäure schreibt das IQWiG ausdrücklich, dass Sie solche Spritzen als IGeL selbst bezahlen. IGeL steht für individuelle Gesundheitsleistung, also eine Behandlung, die die Kasse nicht übernimmt. Für Eigenblut gilt dasselbe, weil ein Nutzen nicht belegt ist.
Eine private Krankenversicherung entscheidet nach Ihrem Vertrag. Fragen Sie dort vor der Behandlung schriftlich an und legen Sie den Kostenplan bei. Eine Auskunft am Telefon hilft im Streitfall wenig.
Haben Sie Training, angepasste Belastung, Abnehmen bei Übergewicht und ein Schmerzgel schon ausgeschöpft?
Hindern die Schmerzen Sie an der Bewegungstherapie?
Eine Kortisonspritze kommt für kurze Zeit infrage. Trainieren Sie in den 2 bis 10 Wochen, in denen sie wirkt.
Eigenblut ist eine mögliche Reserve, die Sie selbst zahlen. Lassen Sie sich vorher Kostenplan und Ziel geben.
Beginnen Sie mit den stark empfohlenen Schritten. Physiotherapie auf Rezept zahlt die Kasse, Sie tragen nur die übliche Zuzahlung.
Ob eine dieser Spritzen für Sie infrage kommt, hängt von Befund, Vorerkrankungen und Medikamenten ab. Das beurteilt Ihre Ärztin im Gespräch mit Ihnen.
Woran Sie ein seriöses Spritzenangebot erkennen
Ein sachliches Angebot nennt Nutzen und Grenzen im selben Atemzug. Wer eine Spritzenserie als sichere Lösung anpreist oder Heilung verspricht, überschreitet die Grenzen, die das Gesetz der Werbung für Behandlungen setzt. Ein gutes Angebot erkennen Sie an vier Punkten.
- Die Praxis sagt von sich aus, was die Studien zeigen, auch dass die Fachgesellschaften für Hyaluronsäure keine Empfehlung abgeben.
- Sie bekommen den Kostenplan vor der Behandlung, mit ärztlicher Gebühr und Mittel getrennt.
- Es gibt ein klares Ziel und einen Termin, an dem die Praxis prüft, ob es erreicht ist.
- Die Praxis sagt, was sie tut, wenn sich nach der Serie nichts ändert, statt gleich die nächste Serie anzubieten.
Sind Sie unsicher, können Sie jederzeit eine zweite Praxis Ihrer Wahl fragen. Vor einem künstlichen Kniegelenk haben Sie sogar Anspruch auf eine kostenlose Zweitmeinung vor der Knie-OP. Für eine Spritze gilt dieser Anspruch nicht.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse Hyaluronsäure-Spritzen bei Kniearthrose?
Nein, Hyaluronsäure-Spritzen bei Kniearthrose zahlen Sie als IGeL selbst. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie nicht, weil ein Nutzen nicht belegt ist. Eine private Krankenversicherung entscheidet nach Ihrem Vertrag, fragen Sie dort vorher schriftlich an.
Wirken Hyaluronsäure-Spritzen im Knie besser als Kochsalz?
Nein, Hyaluronsäure-Spritzen wirkten in den aussagekräftigsten Studien nicht besser als eine Spritze mit Kochsalzlösung. Das schreibt das IQWiG in seiner Patienteninformation vom April 2024. Die Fachgesellschaften geben keine Empfehlung für diese Spritze ab, weil sich die Studien widersprechen.
Wann kommt Eigenblut (PRP) bei Kniearthrose infrage?
Eigenblut, auch PRP genannt, kann bei Kniearthrose infrage kommen, wenn andere Mittel gegen Schmerz ungeeignet sind, ausscheiden oder nicht wirken. So steht es in der Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften von 2024. Ein bestimmtes Verfahren zur Aufbereitung des Blutes empfehlen sie nicht.
Was kostet eine Spritze ins Knie beim Orthopäden?
Eine Spritze ins Knie kostet als ärztliche Leistung 5,54 Euro beim einfachen und 12,74 Euro beim 2,3-fachen Satz. Dazu kommt der Preis für das Mittel, etwa das Hyaluronpräparat. Den Gesamtbetrag nennt Ihnen die Praxis vorher im Kostenplan.
Wie lange wirkt eine Kortisonspritze ins Knie?
Eine Kortisonspritze ins Knie wirkt nach der Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften nur 2 bis 10 Wochen. Laut IQWiG lindert sie die Beschwerden bei 10 bis 20 von 100 Menschen für bis zu 8 Wochen. Physiotherapie mit Übungen für zu Hause hilft langfristig besser.
Was brauche ich vor einer Spritzenserie ins Knie als Selbstzahler?
Vor einer Spritzenserie ins Knie brauchen Sie die voraussichtlichen Kosten schriftlich, und Sie müssen der Behandlung schriftlich zustimmen. Soll ein Faktor über 2,3 fest vereinbart werden, muss das vorher in einem eigenen Schriftstück stehen. Lassen Sie sich die Zahl der Spritzen und das Mittel vorher nennen.
